Zum Thema: Die Mongolei muss diversifizieren

«Ein Goldpreis von 2000 $ pro Unze ist realistisch»

Matthew Wood, CEO von Steppe Gold, rühmt die Mongolei für das verbesserte Investitionsklima. Die Produktionskosten seien die niedrigsten der Welt.

Auch an diesem Sommertag weht ein kalter Wind über die weite, wolkenbedeckte Steppe im äussersten Osten der Mongolei. Hier, acht Autostunden von der Hauptstadt Ulan Bator entfernt, bücken sich drei im Auftrag von institutionellen Investoren aus Kanada eingeflogene Geologen über Bohrkerne. Würde man die den nahen Hügeln entnommenen mehreren Tausend Proben aneinanderreihen, erstreckten sie sich über eine Distanz von 70 km.

Die Bohrkerne entstammen eingeschlafenen Geysiren, die vor mehr als hundert Millionen Jahren aus dem Erdmantel stammendes Gold (Gold 1198.46 -0.23%) nahe an die Erdoberfläche gefördert haben. Das seit Mai an der Börse Toronto kotierte Bergbauunternehmen Steppe Gold will hier noch vor Ende Jahr die Goldförderung aufnehmen.

Und das in grossen Mengen, wenn es nach Matthew Wood, dem Verwaltungsratspräsidenten und CEO von Steppe Gold, geht. Der Australier glaubt aufgrund ausgiebiger Analysen, dass das sogenannte Altan Tsagaan Ovoo Projekt (ATO) in den kommenden Jahren 10 Mio. Unzen des Edelmetalls fördern wird. Diese Schlussfolgerung hält Pierre Vaillancourt, Bergbauanalyst des kanadischen Vermögensverwalters Haywood Securities, für realistisch. «Steppe Gold hat gute Aussichten, die führende Edelmetall-Gesellschaft der Mongolei zu werden», heisst es in einem von Vaillancourt verfassten Report.

Die extrem stark vom Bergbausektor abhängige Mongolei hat infolge des Preiseinbruchs auf dem Rohstoffmarkt und innenpolitischer Turbulenzen wirtschaftlich schwierige Jahre hinter sich. In dieser Zeit drehten viele ausländische Investoren dem Land den Rücken. Es stellt sich damit die Frage, ob Steppe Gold nicht zu früh auf diesen Frontier Market gesetzt hat.

Wood winkt ab. Er begründet den Entscheid neben dem seiner Meinung nach langfristig hohen Goldpreis vor allem mit der stabiler gewordenen innenpolitischen Lage. «Die 2016 gewählte Regierung verfügt über eine klare Mehrheit im Parlament. Sie ist, wie auch der Präsident, Garant der politischen Stabilität. Das gibt uns Planungssicherheit», meint der ausgebildete Geologe. Nicht zuletzt könne sich Steppe Gold als kanadisches Unternehmen auf ein zwischen Ulan Bator und Ottawa abgeschlossenes Investitionsschutzabkommen verlassen.

Wood ist in der Mongolei kein Greenhorn. Steppe Gold ist bereits das dritte von ihm dort gegründete Unternehmen. «Meine bisherigen mongolischen Gesellschaften waren für mich wie auch für die Aktionäre ein Erfolg.» Als Beweis führt er Hunnu Coal auf. Der Börsengang in Australien spülte dem Kohleproduzenten vor acht Jahren 10 Mio. $ in die Kasse. Das Unternehmen wurde nur achtzehn Monate später für 500 Mio. $ an den thailändischen Energiekonzern Banpu verkauft.

Wood räumt ein, dass der Erfolg von Steppe Gold vor allem von der Entwicklung des Goldpreises und der Produktionskosten abhängen wird. Er ist indes überzeugt, dass diese Gleichung aufgeht. «Was die Wirtschaftlichkeit betrifft, verfügt das ATO-Projekt bei einem aktuellen Goldpreis von mehr als 1200 $ pro Unze über einen erheblichen Spielraum, denn unsere Produktionskosten sind mit 350 $ pro Unze die niedrigsten der Welt.»

Wood zeigt sich überzeugt, dass die Nachfrage nach Gold längerfristig gross und damit der Preis hoch bleiben wird. So weist er auf seine Anfänge als Geologe hin. «Damals dachte ich, der Goldpreis werde nie die Marke von 500 $ übersteigen. Wer zu jener Zeit etwas anderes sagte, wurde für verrückt erklärt. In den folgenden Jahren avancierte das Edelmetall zeitweise auf über 1800 $. Ein Preis von 2000 $ erscheint aus dieser Sicht durchaus realistisch», sagt Wood.

Er macht auch klar, dass Steppe Gold voll auf Expansion setzt. Deshalb müssten Investoren in einer ersten Phase auf Dividenden verzichten. «Wir planen, die laufenden Einnahmen in das weitere Wachstum zu investieren. Dividenden sind allenfalls in drei bis vier Jahren denkbar.»

Das Unternehmen erreicht eine Marktkapitalisierung von 56 Mio. kan. $, ist also ein Microcap mit entsprechendem Risiko. Es erwirtschaftet derzeit noch keinen Erlös, die Nettoverschuldung übersteigt das Eigenkapital um den Faktor 4. Damit sich eine Investition auszahlt, müssen die Produktionspläne von Wood aufgehen. Sonst droht statt des erhofften Kurswunders der Bankrott.

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