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Ein gutes Zeichen

Investoren rennen nicht blind jedem von billigem Geld aufgeblasenen «Einhorn» nach. Das ist erfreulich. Ein Kommentar von USA-Korrespondent Martin Lüscher.

«The We Company ist ein Luftschloss. Der Weg zur Profitabilität existiert nur im Kopf des Unternehmensgründers.»

The We Company hat ein Problem. Das hochgejubelte Immobilienunternehmen, das gerne eine Tech-Gesellschaft wäre, braucht dringend Geld. Denn das Unternehmen, das einst WeWork hiess und im Januar mit 47 Mrd. $ bewertet wurde, schreibt Milliardenverluste und sitzt auf Schulden sowie Leasingverpflichtungen in Milliardenhöhe. Der Börsengang ist die Lösung. Doch statt mit finanzieller Transparenz Klarheit zu schaffen, irritiert We mit einem nebulösen Prospekt, einem wenig überzeugenden Geschäftsmodell und eklatanten Interessenkonflikten.

Damit löst das Unternehmen bei den potenziellen Investoren keine Euphorie aus. Entsprechend musste die Gesellschaft den anvisierten Börsenwert von 47 auf 20 bis 30 Mrd. $ herunterschrauben. Doch selbst das erscheint zu optimistisch, denn We ist ein Luftschloss. Der Weg zur Profitabilität existiert nur im Kopf des Unternehmensgründers.

Die Skepsis der Investoren ist ein gutes Zeichen. Wie bei Uber und Lyft zeigen Anleger auch bei We, dass sie nicht jedem von Private Equity und Venture Capital aufgeblasenen «Einhorn» nachrennen. Damit unterscheiden sie sich von den Investoren während der Internetblase zur Jahrtausendwende, denn seinerzeit wurde den Anlegern das blinde Nachrennen zum Verhängnis. Die aktuelle Skepsis zeigt hingegen, dass aus den Fehlern von damals gelernt wurde.

Eine vollständige Entwarnung ist dennoch verfehlt, denn auch heute gibt es einzelne Unternehmen, die von der Euphorie getragene Fantasiewerte erreichen. Die Rede ist unter anderem von Beyond Meat, dem Hersteller von Fleischersatzprodukten. Doch diese Gesellschaften befinden sich zum Glück in der Minderheit.

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