Märkte

Ein Hauch von Worst Case

Die Schweizerische Nationalbank hat 2020 erneut einen Milliardengewinn eingefahren. Erstaunlich daran ist, dass ihr das trotz eines widrigen Währungsumfelds gelungen ist.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist vergangenes Jahr noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Erneut hat sie einen Milliardengewinn eingefahren. Aber der erfreuliche Ausweis – der Bund und Kantonen eine Ausschüttung von 6 Mrd. Fr. beschert – verdeckt die finanziellen Risiken, denen die Währungsbehörde angesichts ihrer über die Jahre enorm gewachsenen Bilanz inzwischen ausgesetzt ist.

Der Franken hat sich im Zuge der Pandemie und der Kurserschütterungen an den internationalen Finanzmärkten auf breiter Front aufgewertet. Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren passierte dies gegenüber allen fünf Hauptwährungen, in die die SNB ihre Devisenreserven angelegt hat. Alle für den Finanzerfolg relevanten Fremdwährungen werteten sich simultan ab. Das war nicht einmal 2015, im Jahr des Frankenschocks, der Fall gewesen, als die SNB ihre Mindestkurspolitik von 1.20 Fr./€ aufgeben musste und der Euro kurze Zeit auf 1 Fr./€ fiel. Auch nicht in den Jahren 2010 und 2011, als die Schweizer Währungshüter beherzt, aber letztlich erfolglos gegen den starken Franken ankämpften.

Alle fünf im Minus

Stets waren eine oder zwei Hauptwährungen zum Jahresausklang etwas höher bewertet und dämpften den Wechselkursverlust. Die Länderdiversifikation funktionierte. 2020 ist alles anders. Zwischen den Stichtagen 31. Dezember 2019 und 31. Dezember 2020 verlor der Dollar 9%, der Yen 4%, das Pfund 6% und der kanadische Dollar 7%. Zum Glück hielt sich beim Euro die Einbusse mit –0,4% in Grenzen. Denn der Kursrückgang um 3% auf 1.05 Fr./€ im April 2020 wurde bis zum Jahresende grossteils wettgemacht. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?