Meinungen

Ein kleiner ­Vorgeschmack

Die Softbank-Nachrichten hatten etwas von einem schwarzen Schwan, wenn auch von einem einigermassen harmlosen Exemplar. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Adrian Blum.

«Die jüngste Kurskorrektur in Tech-Aktien ruft in Erinnerung, wie empfindlich der Markt reagieren kann.»

Nach dem Schreck gleich wieder alles gut? Wohl kaum. Man könnte die Sache zwar so sehen: Der Nasdaq 100 (Nasdaq 100 10841.011887 -2.17%) hat innerhalb einer Woche ein wenig nachgegeben, ­einige Titel wie Apple (AAPL 106.8216 -3.19%), Alphabet (GOOGL 1440.3189 -3.14%) oder Facebook (FB 251.62 -1.26%) ­etwas deutlicher. Eine gesunde Konsolidierung, die nur die Tech-Aktien ­betrifft und nicht auf andere Sektoren übergegriffen hat. Und der Markt hat sich ja schon gefangen, also weiter wie bisher.

Dabei geht aber der kuriose Auslöser der Korrektur vergessen. Seien wir ehrlich, wer hätte gedacht, dass  Nachrichten über den japanischen – zum Hedge Fund mutierten – Telecomkonzern Softbank (Softbank 30.825 -2.36%) in kürzester Zeit Hunderte Milliarden Dollar an Börsenwert vernichten könnten? Die Information, dass Softbank massiv in Aktien und Aktienoptionen von Unternehmen wie Amazon (AMZN 2923.82 -2.82%), Alphabet etc. investierte und den Boom mit ­anheizte, schreckte auf und liess die Kurse der Tech-Titel purzeln.

Die Softbank-Nachrichten hatten ­etwas von einem schwarzen Schwan, wenn auch von einem einigermassen harmlosen Exemplar. Aber sie erinnern an die schwarzen Schwäne – ­unerwartete Ereignisse –, von denen die Finanzmärkte nicht wissen, wie sie genau aussehen, wie gefährlich sie sind und wann und aus welcher Richtung sie in Erscheinung treten.

Angesichts von Niedrigzinsen und Liquiditätsschwemme ist es wohl noch zu früh, das Ende des Bullenmarktes zu verkünden. Der jüngste Kursverlauf war aber ein Vorgeschmack auf das, was da kommen könnte, wenn dann doch ein Prachtexemplar von einem schwarzen Schwan am Finanzmarkt auftaucht.