Der unergründliche Jean Todt fuhr als Beifahrer Rallyes, war Sporting Director von Peugeot und dann Formel-1-Teamchef von Ferrari und Verantwortlicher der Ferrari-Maserati Group. Umtriebig und rasant geht er durchs Leben, bekleidet mehrere Ämter und führt mehrere Titel. Der amtierende Präsident des Welt-Automobilverbands FIA ist ein Freund des Hauses Montblanc und Sammler von Schreibutensilien.

Monsieur Todt, woher kommt Ihre Leidenschaft für den Motorsport?
Sie ist dank der Piloten Jim Clark und Dan Gurney entstanden, für die ich geschwärmt habe. So richtig entfacht wurde meine Leidenschaft, als ich den Mini Cooper S meines Vaters fahren durfte. Trotzdem habe ich zunächst beschlossen, meinen Weg als Copilot zu gehen. Geschwindigkeit fasziniert mich. Ich wollte deshalb mein Leben dafür einsetzen, Rennställe zu Höchstleistungen anzutreiben. Eines meiner Ziele bestand darin, Ferrari so weit zu bringen, dass es an die legendären Autorennen anknüpfen und sie dominieren konnte. Von 2000 bis 2004 hat Michael Schumacher fünf WM-Titel in Folge gewonnen. Ein grosser Mann und eine Premiere in der Geschichte der Formel 1.

Wie organisieren Sie Ihre Zeit?
Mein Terminkalender ist mein Kleincomputer auf Papier. Ich mache keine halben Sachen. Als Handys auf den Markt gekommen sind, habe ich sofort mehrere gekauft, damit ich immer erreichbar bin. Ich muss aber gestehen, dass ich Tablets etwas misstraue, ich habe das Gefühl, dass ich mir nicht mehr gehöre, also verlasse ich mich stattdessen auf meine Agenda. Als organisierter Mensch besitze ich drei Montblanc-Schreibgeräte: einen Drehbleistift, einen Filzstift, mit dem ich meine Briefe unterzeichne und Notizen mache, und den DNA mit seiner individuellen, nummerierten Tinte zur Unterzeichnung der Superlizenzen der Formel-1-Piloten. Auf Papier zu schreiben, gibt mir ein Gefühl der Sicherheit. Es ist greifbar und solid.

Wie sehen Sie die Zukunft der Formel 1?
Felipe Massa, Sébastien Bourdais und Jules Bianchi sind in meinen Augen die grössten Nachwuchstalente. Sie sind ausserordentlich begabt. Was die elektrische F1 angeht, ist sie schon keine Zukunftsmusik mehr, sondern Gegenwart. Ich habe gerade erst einen Lizenzvertrag mit einem Anlegerkonsortium für die Lancierung einer Formel-E-Meisterschaft unterschrieben. Schon in diesem Jahr werden am Grossen Preis von Rio in Brasilien elektrisch betriebene Einsitzer starten. Die Meisterschaft ist bestens organisiert und besteht aus zehn Teams und zwanzig Piloten. Bei den Autos handelt es sich um EF01-Prototypen des französischen Herstellers Formulec. Die Zukunft steht im Zeichen von Geschwindigkeit und Umweltschutz.