Meinungen

Ein Posten bei der Post

Das SP-Bundeshausschwergewicht Christian Levrat wird Verwaltungsratspräsident der Post. Das ist eine heikle Besetzung. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Manfred Rösch.

«Vielleicht hätte der raffinierte Renaissance-Staatsphilosoph Niccolò Machiavelli seine helle Freude an dieser Ernennung: Ein Linker muss der Linken das Unausweichliche beliebt machen.»

Der rote Riese wird Chef des gelben Riesen: Christian Levrat, Freiburger SP-Ständerat, soll Urs Schwaller, ehemaliger Freiburger CVP-Ständerat, als Verwaltungsratspräsident beerben. Das kündigte am Mittwoch die zuständige Departementschefin Simonetta Sommaruga an. Die Mitglieder des Bundesrats reden einander in Postenfragen, diesmal in der Post, vornehmerweise nicht drein. Die Wahl an der Generalversammlung der Post in einem Monat ist bloss noch eine Formsache.

Die Personalie Levrat ist nur mässig euphorisierend. Abgesehen davon, dass Sommaruga in der öffentlichen Wahrnehmung ihrem Parteifreund sozusagen einen «service privé» erweist – dem Berufspolitiker Levrat gelingt so, mit 51, ein gediegener Exit –, stellt sich die prosaische Frage: Kann der das?

Die Fairness gebietet es, Levrat die Chance einzuräumen, sich zu beweisen. Nüchtern betrachtet, drängen sich freilich einige Zweifel auf. Levrat, zwar gewiss ein überdurchschnittlich cleverer Machtmensch, begnadeter Strippenzieher und TV-Debattierer und als langjähriger Parteichef der SP ein organisatorischer Macher, kann keine unternehmerische Erfahrung vorweisen. Ihm als einem profilierten Linken wird niemand vorwerfen, er denke und handle besonders unternehmensaffin. Seine lange politische Karriere lässt diese Annahme, oder auch nur Hoffnung, beim besten Willen nicht zu.

Berufserfahrung im marktwirtschaftlichen Wettbewerb hat Levrat keine. Er ist Jurist, Politikwissenschaftler, Gewerkschafter und, wie erwähnt, in erster Linie ein mit allen Wassern gewaschenes «animal politique» (aus dem Ständerat wird er im Herbst zurücktreten, vor dem Wechsel zur Post am 1. Dezember). Im parlamentarischen Metier macht Levrat unter der Bundeshauskuppel keiner etwas vor – aber den Sieben-Milliarden-Konzern Post präsidieren? Hätte, nach Schwaller, nicht besser wieder jemand aus der Wirtschaft, natürlich mit guten Kontakten ins Bundeshaus, den Vorzug erhalten sollen?

Zur Post gehört PostFinance, für die es nur einen vernünftigen Weg gibt, der ja schon lange hätte eingeschlagen werden sollen: Trennung vom Konzern, vollständige Privatisierung. Levrat, in seiner Muttersprache überzeugter «socialiste», ist allerdings seit jeher eine führende Kraft im Land, wenn es gilt, den Service public, wie vage definiert auch immer, auf Biegen und Brechen zu verteidigen – auch und nachweislich gerade, was die Post betrifft.

Vielleicht hätte der raffinierte Renaissance-Staatsphilosoph Niccolò Machiavelli seine helle Freude an dieser Ernennung: Ein Linker muss der Linken das Unausweichliche beliebt machen, das sie von einem Bürgerlichen nie hinnehmen würde. Oder aber die Post(Finance) wird irgendwann zum Subventionsfall.

Leser-Kommentare

Aloys K. Osterwalder 31.03.2021 - 17:09

Die Schlüsselposition bei der Schweizerischen Post ist für die
schweizerische Bevölkerung zu wichtig, als dass sie einem in vielen unternehmerischen Belangen wenig vertrauten Kandidaten
übergeben werden sollte. Trotz seinem politisch gut gepackten
Rucksack sollte sich Herr Levrat ernsthaft überlegen, ob er diese
Partei-Pfründe übernehmen will. Frau Sommaruga macht es sich
m.E. allzu einfach, in dem sie diese heisse Kartoffel einfach
einem Parteifreund zuschanzt.

Peter Braun 31.03.2021 - 17:55
Da wird der Gärtner zum Bock gemacht. Levrat bringt null unternehmerische Erfahrung mit, kann keinen Leistungsausweis, der die Bekleidung dieses Postens gerechtfertigten würde, aufzeigen und war ausschliesslich in der Politik “tätig”. Wie übrigens sein Vorgänger Schwaller auch. Wenn in einem grösseren Unternehmen oder Konzern der Privatwirtschaft jemand mit diesen beruflichen Voraussetzungen zum Chef gemacht würde, wären die SP und Gewerkschafter… Weiterlesen »
Urs Kaufmann 01.04.2021 - 08:12

Eben noch machte sich die NZZ über den Postenschacher in Österreich lustig. Wie figura zeigt, sind wir in de Schweiz da keinen Deut besser.

Ueli Hofer 01.04.2021 - 08:34

“Ein Linker muss der Linken das Unausweichliche beliebt machen, das sie von einem Bürgerlichen nie hinnehmen würde. ”
Das sehe ich auch so. Daher könnte er durchaus die richtige Person für diese Aufgabe sein – vielleicht… Mein Kommentar ist allerdings nicht als meine Billigung der Person Levrat zu verstehen.

Pascal Fuchs 01.04.2021 - 12:24

Da kommen doch Erinnerungen an die Kinderpost auf… Laien stellen Laien ein. Gibts für solch offensichtliche Fehltritte keine PUK ?