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Ein Preisbrecher will die 3a-Vorsorge aufmischen

Seit Mittwoch bietet Viac eine neuartige Vorsorgelösung zu Tiefstkosten an. Was hinter dem neuen Angebot steckt.

Allmählich drängen Jungunternehmen aus der Finanztechnologie auch in den Vorsorgebereich vor. Als erster Anbieter geht Viac am Start. Das Drei-Mann-Unternehmen aus Luzern will nach eigenen Angaben das erste rein digitale Vorsorgeprodukt auf den Markt bringen. «Unser Ziel ist es, den Kunden eine passive Vorsorgelösung zu möglichst tiefen Konditionen ermöglichen», sagt Co-Gründer Christian Mathis, der zuvor während zehn Jahren bei einer Innerschweizer Privatbank tätig war.

Tatsächlich unterbieten die Gebühren die derzeit am Markt verfügbaren Lösungen um Längen. Je nach Aktienanteil belaufen sich die Gebühren auf 0,17 bis maximal 0,72%, wobei sie auch allfällige Produktkosten und Depotgebühren beinhalten. Die tiefen Gebühren sind deshalb möglich, weil die Kosten nur auf dem Anteil des Vorsorgegeldes anfallen, der in Aktien investiert ist. Je tiefer der Aktienanteil, desto tiefer die Gebühren. Andere Anbieter von ETF-Sparplänen wie etwa VZ Vermögenszentrum oder Moneypark weisen je nach gewählter Strategie deutlich höhere Gesamtkosten aus.

Bislang kaum Wettbewerb

Auch bei den übrigen passiven und aktiven Wertschriftenlösungen sind die jährlichen Kosten bei 1% oder höher. Im stark regulierten Vorsorgebereich sind die Anbieter bislang kaum Wettbewerb ausgesetzt und spüren deshalb wenig Kostendruck, wie «Finanz und Wirtschaft» in einem aktuellen Vergleich von 3a-Fondslösungen gezeigt hat.

Das könnte sich mittelfristig ändern, wie der Einstieg von Viac belegt – sofern sich Partner finden lassen. Denn Vorsorgelösungen können nur von entsprechenden Stiftungen angeboten werden. Im Fall von Viac ist es die Terzo-Vorsorgestiftung der Bank WIR, als Depotbank für die Wertschriften fungiert die Credit Suisse (CSGN 14.95 -2.8%). «Es war sehr schwierig und zeitaufwendig, eine Bank zu finden, die mit uns zusammenarbeitet», sagt Mathis.

Cash statt Obligationen

Das Beispiel von Viac zeigt, wie wichtig es ist, in die private Vorsorge neue Ideen und Modelle einzubringen. Die tiefen Gebühren sind dank einem schlanken Geschäftsmodell möglich. Die ganze Abwicklung läuft über eine App auf dem Smartphone, wo auch sämtliche Dokumente hinterlegt werden. Für das kommende Jahr ist geplant, auch eine browserbasierte Version herauszubringen, die eine Anmeldung am Computer ermöglicht.

Im Gegensatz zu allen übrigen Anbietern verzichtet Viac im aktuellen Umfeld auf jegliche Anlagen in Obligationen und setzt stattdessen auf eine Zinskontolösung. «Obligationeninvestments sind derzeit nicht vertretbar», sagt Mathis. Zu der potenziell negativen Rendite kämen Zinsänderungsrisiken. Als Alternative bietet die Bank WIR an, den Teil, der üblicherweise in Obligationen investiert würde, zu 0,3% zu verzinsen. Das entspricht in etwa dem aktuellen Durchschnittszins bei 3a-Konten.

Dieser Mix von Aktien- und Kontolösung ermöglicht es den Sparern, die 3a-Vorsorge individuell zu optimieren. Bei einem tiefen Aktienanteil fallen entsprechend wenig Kosten an, die Zinslösung muss nicht zwingend beim selben Anbieter liegen. So liesse sich derzeit bei der Bank WIR über das 3a-Konto ein doppelt so hoher Zins (0,6 statt 0,3%) erzielen. Der Cash-Anteil kann aber auch bei der Hausbank deponiert werden.

Das Modell von Viac könnte Nachahmer finden und den Wettbewerb in der Säule 3a ankurbeln. Zwar haben in den vergangenen Jahren einige Banken passive Lösungen lanciert. Allerdings differenzieren sich diese kostenseitig nicht deutlich von den aktiv gemanagten Produkten. Zudem zeigt sich, dass es sich gerade im aktuellen Umfeld lohnen kann, Gelder in einem Mischfonds aktiv zu managen. Passive Produkte, die starr an eine Obligationenquote gebunden sind, haben in den vergangenen zwei Jahren deutlich schlechter performt. Aktive Fonds hingegen weisen einen grösseren Spielraum auf. Für sie hat es sich zuletzt ausgezahlt, stärker auf Immobilien als auf Obligationen zu setzen.

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