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Ein schwerer Schlag

Das Schweizer Bruttoinlandprodukt ist im dritten Quartal gesunken. Dahinter steckt mehr als einzelne Sonderfaktoren. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Die Konjunktur hat gedreht. Von nun an nimmt das Wachstumstempo ab.»

Das Bruttoinlandprodukt ist überraschend und überraschend deutlich gesunken. Im dritten Quartal ist es real 0,2% tiefer ausgefallen als im zweiten. Auf den ersten Blick ist das wenig. Aber betrachtet man die einzelnen Komponenten, fällt auf, wie viele geschrumpft sind. Die Exporte brachen geradezu ein, die Ausrüstungsinvestitionen und die Importe fielen deutlich, der Bau und der Konsum stagnierten.

Wegreden hilft nicht. Selbst wenn einzelne Sonderfaktoren wie verzögerte Lieferungen den Exportquartalsausweis zusätzlich belastet haben sollten und den kommenden entsprechend ankurbeln werden, ändert das nichts am Gesamtbild: Die Konjunktur hat gedreht. Von nun an nimmt das Wachstumstempo ab.

Die Schweiz ist in einen unangenehmen konjunkturellen Schwitzkasten geraten. Sowohl im Ausland als auch im Inland nimmt der Druck auf die Nachfrage zu. In den wichtigsten europäischen Handelspartnerstaaten von Italien bis Schweden hat die Konjunktur eine Vollbremsung vollzogen. Das mag zum Teil auf temporäre Effekte wie die deutsche «Dieseldelle» zurückzuführen sein. Aber die Schweizer Daten zeigen, dass nicht nur Zulieferer der Autoindustrie Einbussen erleiden, sondern viele Industrie- und Dienstleistungssektoren.

Auch im Inland lahmt die Nachfrage. Weniger Zuwanderung als früher bedeutet weniger Inlandnachfragewachstum als früher. Ausserdem stagnieren die Reallöhne seit bald zwei Jahren. Nun werden die Effekte sichtbar: Beim Konsum wird gespart. Beides sind Trends, die sich nur schwer umkehren lassen. Zum Glück ist die Beschäftigungslage ausgezeichnet und verdienen Unternehmen Geld. Aber die besten Zeiten liegen hinter uns.

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