Märkte / Devisen

Ein Strich durch die Dollar-Rechnung

Devisenexperten hatten einen anhaltend schwachen Dollar für 2021 vorhergesagt. Die Turbulenzen an den Zinsmärkten lassen die US-Währung indes steigen.

Der überraschend starke Zins­anstieg hat nicht nur Aktien ins Wanken gebracht. Er wirkt sich auch auf das Geschehen an den Währungsmärkten aus. An vorderster Front steht der Dollar. Fast einmütig hatten ihm die Devisenanalysten ein schwieriges Jahr 2021 vorhergesagt. Nun befinden sich die Experten in der Bredouille. Denn die US-Valuta hat sich seit Jahresbeginn gegenüber den meisten führenden Währungen aufgewertet.

Die Kausalzusammenhänge, die den Verlauf der Währung erfahrungsgemäss bestimmen, scheinen nicht mehr aufzugehen. Zum Beispiel das Szenario einer wirtschaftlichen Erholung: Die globalen Wachstumsaussichten haben sich zwar wie vorhergesagt verbessert. Länder wie Israel belegen, dass über Impfungen die Coronapandemie besiegt werden kann. Da mehr Wirtschaftswachstum und steigende Aktienkurse dazu einladen, weltweit anzulegen, sollten eigentlich Dollar aus den USA in höher rentierende Märkte wie die Schwellenländer abfliessen. Und weil so weniger Dollar und mehr Fremdwährungen nachgefragt werden, sollte sich der Greenback abschwächen. Derzeit ist aber das Gegenteil zu beobachten.

US-Vorsprung eingepreist

Auch die negative Korrelation zwischen Dollar und Rohöl – ein starker Dollar geht mit schwachen Ölnotierungen einher und umgekehrt – trifft nicht mehr zu. Als sich das Ölkartell Opec letzte Woche darauf einigte, die Förderung nicht zu erhöhen, zog nicht nur der Ölpreis kräftig an, sondern auch der viel beachtete Dollarindex DXY, auf den Futures und Terminkontrakte ­laufen (vgl. Grafik 1). Gegenüber seinem grössten Konkurrenten verbuchte der Dollar einen besonderen Erfolg: Der Euro rutschte unter die optisch wichtige Marke von 1.20 $/€ (vgl. Grafik 2). Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?