Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Too big to fail
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Ein wichtiger Schritt

Global systemrelevante Grossbanken müssen mehr verlustabsorbierendes Kapital halten. Das verringert das Too-big-to-fail-Problem, schafft es aber nicht aus der Welt, kommentiert FuW-Chefredaktor Mark Dittli.

«Die reibungslose Abwicklung oder Sanierung einer global vernetzten Grossbank bleibt ein enorm ungewisses Unterfangen.»

Global systemrelevante Grossbanken müssen künftig mehr verlustabsorbierendes Kapital halten. Das Financial Stability Board (FSB) hat am Montag die sogenannten TLAC-Vorschriften (Total (FP 45.88 -1.16%) Loss-Absorbing Capacity) für die dreissig globalen Finanzgiganten – zu ihnen zählen auch UBS (UBSG 11.07 -0.32%) und Credit Suisse (CSGN 11.975 -0.66%) – vorgestellt.

Für UBS und CS haben die Vorgaben keine unmittelbaren Konsequenzen: Die im Oktober vom Bundesrat beschlossene Verschärfung der hiesigen Too-big-to-fail-Gesetzgebung geht ohnehin weiter als das vom FSB geforderte Minimum. Das ist auch richtig so, denn die Schweiz trägt ein besonderes Risiko: Als vergleichsweise kleine Volkswirtschaft – mit begrenzter Stützungskraft – beherbergt sie gleich zwei globale Finanzkolosse.

Sieben Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise ist damit ein grosser Schritt zu einem robusteren Weltfinanzsystem gelungen. Dickere Kapitalpolster verringern die Wahrscheinlichkeit, dass eine Grossbank wegen erlittener Verluste unkontrolliert untergeht.

Bedeutet das eine generelle Entwarnung? Nein. Das Too-big-to-fail-Dilemma, also die Tatsache, dass ein Staat eine in Not geratene Grossbank zur Verhinderung grösserer volkswirtschaftlicher Schäden rettet, ist zwar vermindert, aber nicht aus der Welt geschafft.

Nach wie vor muss auch festgehalten werden, dass in Absenz eines internationalen Konkursrechts die reibungslose Abwicklung oder Sanierung einer global vernetzten Grossbank ein enorm ungewisses – weil ungetestetes – Unterfangen bleibt.

Somit gilt: Die regulatorischen Vorgaben sind Minimal-, keine Maximalgrössen. Es ist den Banken überlassen, freiwillig mehr verlustabsorbierendes Kapital zu halten. Werden sie – wie gegenwärtig der Fall – vom Markt dafür noch mit einer höheren Bewertung belohnt, spricht erst recht nichts gegen eine höhere Sicherheitsmarge.

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