Märkte / Anleihen

Ein Zinsschock, der keiner ist

Standard & Poor’s rechnet durch, wie sich ein kräftiger Leitzinsanstieg auf die Staatsfinanzen auswirkt, und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Kein Tag vergeht, an dem Notenbanker nicht die steigenden Inflationsraten herunterreden. Die Botschaft ist klar: Es handelt sich nur um vorübergehende Korrekturen der extremen Ausschläge nach unten während der Coronakrise. Die Geldpolitik müsse locker bleiben und die Regierungen, die die Wirtschaft mit kreditfinanzierten Milliardenausgaben stimulieren, unterstützen, statt sie zu behindern. Aber was ist, wenn sich die Verantwortlichen irren?

Angenommen, Inflation wird zum Problem. Dann müssen die Notenbanken die Notbremse ziehen und früher als erwartet die Zinsen erhöhen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat diesen Worst Case durchgerechnet, um herauszufinden, welche Staaten einen solchen Zinsschock finanziell verkraften würden und welche nicht. Sie berechnet dazu den Effekt auf die staatlichen Zinsausgaben in den drei Haushaltsjahren, nachdem die Leitzinsen um 1 resp. um 3 Prozentpunkte erhöht wurden.

Weniger schlimm als befürchtet

Das Ergebnis fällt überraschend positiv aus. S&P kommt zum Schluss, dass für die meisten Länder ein Zinsschock finanzpolitisch kein Problem darstellt. Selbst wenn eine Notenbank den Leitzins um 3 Prozentpunkte (Pp) anheben müsste und sich daraufhin die Emissionskosten am Anleihenmarkt im gleichen Umfang verteuerten, würden in fünfzehn der achtzehn untersuchten Industrieländer die staatlichen Zinsausgaben weniger als 1% des Bruttoinlandprodukts zunehmen. Die drei Ausnahmen sind Japan, die USA und Portugal. Und das auch nur, weil sie die Schulden kurzfristiger finanzieren als die meisten anderen Länder. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

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