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Blogs / Momentum

Eine aussergewöhnliche Goldrally

Gabriella Hunter
Der Edelmetallpreis hat an Schwung gewonnen. Der jüngste Anstieg zeigt ein historisch seltenes Muster.

Gold (Gold 1297.2 0.41%) behauptet sich gegen den starken Dollar. Nach einer Verschnaufpause Ende 2016 hat die Edelmetallnotierung im laufenden Jahr bereits 7,6% auf gut 1240 $ je Unze gewonnen. Dies, obwohl sowohl die US-Währung als auch der S&P 500 (SP500 2502.22 0.06%) in den vergangenen zwei Wochen zugelegt haben.

Ein solches Muster ist in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Mal aufgetreten, im Februar 2010 sowie kurz im März 2013 (in der Grafik unten rot markiert). Was also steckt dahinter?

Haupttreiber Inflation

Ein Grund für die synchrone Aufwärtsbewegung des Goldpreises und der Aktienkurse könnte die Inflation sein. Im Januar sind die Konsumentenpreise in den USA gemäss der Erhebung des US-Arbeitsministeriums annualisiert 2,5% gestiegen. Das ist der höchste Wert seit fünf Jahren. Die höhere Teuerung dürfte Anleger zu Goldkäufen animieren. Das Edelmetall gilt dank seiner Wertbeständigkeit als Absicherung im inflationären Umfeld.

Die Aktienkurse profitieren in der Regel ebenfalls von anziehenden Preisen, solange die Unternehmen die Preisveränderung an die Kunden weitergeben können. Höhere Preise sorgen damit regelmässig für höhere Unternehmensgewinne. Zudem deuten steigende Preise auf einen konjunkturellen Aufschwung hin, wie dies derzeit in den USA der Fall ist: Die Wirtschaft brummt, die Aussichten der Unternehmen haben sich verbessert, und die Arbeitslosigkeit liegt nahe der Vollbeschäftigung.

Grosse Unsicherheit scheint als Grund für das Interesse an Gold dagegen wenig plausibel. Denn die Börsenkurse steigen stetig, und die Börsen sind von tiefer Volatilität geprägt. Die Anleger scheinen trotz den Eskapaden des US-Präsidenten Donald Trump und den anstehenden Wahlen in Europa (noch) an den wirtschaftlichen Aufschwung zu glauben.

Dollar profitiert von Zinserwartungen

Und was ist mit dem Dollar? Nach volkswirtschaftlichen Prinzipien müsste sich die US-Währung gegenüber dem Ausland abwerten, wenn die Inflation anzieht. Denn wegen der höheren Preise werden amerikanische Produkte im Ausland teurer. Die Exporte sinken, dagegen wird mehr importiert. Es fliesst insgesamt weniger Kapital in die USA, was den Greenback schwächt.

Mit der Teuerung steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank (Fed), die einen zu schnellen Anstieg der Preise verhindern will. Vergangenen Mittwoch mahnte Fed-Chefin Janet Yellen, dass es nicht weise wäre, zu lange mit dem nächsten Zinsschritt zuzuwarten. Das befeuerte die Zinserwartungen. Diese Aussichten machen die US-Währung attraktiver, da Dollaranlagen eine höhere Rendite versprechen.

Gold scheint von einer Marktsituation zu profitieren, in der zwar die gute Konjunktur den Dollar und die Börsen stützt, gleichzeitig aber die Zinserwartungen noch tief genug sind, sodass das Edelmetall – das keine Rendite abwirft – weiterhin attraktiv bleibt.

Wie geht es weiter?

Eine Goldrally zum Jahresbeginn ist nicht untypisch. Im Gegenteil: Selbst im Rohstoffbärenmarkt zwischen 2013 und 2015, als das Edelmetall über das Gesamtjahr an Wert verlor, verteuerte es sich in den ersten Wochen des Jahres. Erst im März ging es jeweils nach unten.

Das könnte dem Edelmetall auch dieses Jahr drohen. Denn überrascht das Fed, macht an seiner nächsten Sitzung im März bereits Ernst und erhöht den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,75 bis 1%, dürfte das den Anstieg des Goldpreises dämpfen.

Doch es gibt auch noch ein positives Szenario für Gold. Die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Situation ist nicht ohne Risiken. Falls Trump sein geplantes Konjunkturprogramm mit tieferen Unternehmenssteuern und hohen Infrastrukturinvestitionen nicht wahrmacht, dürfte die Stimmung an den Finanzmärkten drehen.

Unsicherheit droht auch in Europa: In Frankreich, den Niederlanden und Deutschland greifen populistische Kräfte nach der Macht. In diesem Umfeld bietet Gold Stabilität und Absicherung.