Meinungen 17:51 - 24.02.2017

Eine neue Quote muss her

«Nur zu leicht kann ein Dividendenversprechen dazu führen, dass die Substanz des Unternehmens angegriffen wird. »
Im Sinne der Nachhaltigkeit empfiehlt es sich für Unternehmen, die Dividendenpolitik am Cashflow auszurichten und nicht am Gewinn. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Clifford Padevit.
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zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Besta
Seit 1925 quartalsweise per Stichprobe in 66 Schweizer Betrieben durchgeführte Beschäftigungsstatistik (vgl. Beschäftigte und Erwerbstätigenstatistik ).
Cashflow
Ordentlich erwirtschafteter Mittelzufluss aus der betrieblichen Tätigkeit eines Unternehmens. Ausserordentliche Aufwendungen und Erträge sollten aus der Berechnung des Cashflows ausgeklammert werden, ebenso extreme Veränderungen bei der Bildung oder der Auflösung stiller Reserven .
Dividende
Der von einer Aktiengesellschaft je Aktie ausgezahlte Gewinnanteil. Die Dividende wird durch die Generalversammlung auf Antrag des Verwaltungsrats festgesetzt. Als Dividende werden auch die Auszahlungen an die Inhaber von Genuss- und Partizipationsscheinen bezeichnet.
Dividendenpolitik
Vom VR definierte Vorgaben, nach denen sich die Dividendenausschüttung richtet. Eine Vorgabe kann sein, zwischen 25 und 40% des Gewinns (Gewinnausschüttungsquote ) als Dividende auszuzahlen (was heute üblich ist). Der VR kann jedoch auch darauf abzielen, möglichst immer, also über Konjunkturzyklen hinweg, eine Dividende auszuschütten – dann wird er in sehr guten Jahren die Dividende weniger erhöhen, um so Mittel für die Ausschüttung in schlechteren Zeiten bereitzuhaben. Die ertragsabhängige und die konstante (oder eine Mischform) sind die häufigsten Arten von Dividendenpolitik. Es gibt jedoch auch Unternehmen, die keine Dividende auszahlen. Dies ist etwa dann der Fall, wenn eine Gesellschaft schnell wächst und den Gewinn umgehend in den Weiterausbau investiert.
Fonds
Ein mit öffentlicher Werbung von Investoren zum Zweck gemeinschaftlicher Kapitalanlage aufgebrachtes Vermögen, das von der Fondsleitung in der Regel nach dem Grundsatz der Diversifikation auf Rechnung der Investoren verwaltet wird. Anlagefonds werden direkt bei der Bank und vermehrt auch über Internet-Plattformen gekauft und im Gegensatz zu ETF in der Regel nicht börslich gehandelt.
Gesamtrendite
1. Verlauf des Kurses eines Wertpapiers. 2. Meist in Prozenten ausgedrückte Wertentwicklung eines Portefeuilles inklusive Ausschüttungen (reinvestiert). 3. Anlagepolitische Leistung der Leitung eines Anlagefonds, einer Beteiligungsgesellschaft, eines Hedge Fund oder einer Pensionskasse mit Blick auf das Anlageziel.
SMI
Wird nach dem Streubesitz der zwanzig bedeutendsten kotierten Schweizer Unternehmen berechnet. Der SMI ist nicht dividendenkorrigiert, ist also ein Preisindex .
Swiss Market Index
Wird nach dem Streubesitz der zwanzig bedeutendsten kotierten Schweizer Unternehmen berechnet. Der SMI ist nicht dividendenkorrigiert, ist also ein Preisindex .

Die Dividendensaison steht bevor. Schon kommende Woche zahlt der Pharmakonzern Novartis (NOVN 74.1 1.09%) die Dividende für 2016 aus. Dann geht es Schlag auf Schlag, und Anleger sollten bis Mai die meisten Dividenden erhalten haben. Allein die Unternehmen im Swiss Market Index SMI (SMI 8711.32 1.84%) schütten nach Schätzung von «Finanz und Wirtschaft» 38 Mrd. Fr. aus.

Die Dividende ist ein bedeutsamer Bestandteil der Gesamtrendite für Aktienanleger. Seit 1971, so hat der Fondsmanager Allianz (ALV 175.15 2.88%) Global Investors kürzlich berechnet, haben Dividenden in Europa rund 40% zur annualisierten Rendite beigetragen.

Das Bekenntnis zu einer Dividende wirkt umgekehrt für das Unternehmen disziplinierend. Es kann die Entscheide der Geschäftsführung positiv beeinflussen. Niemand weiss das besser als die Helvetia (HELN 555 1%) Versicherung, die seit 1863 ununterbrochen Dividende zahlt.

Heikel wird es, wenn das Dividendenziel dominiert. Nur zu leicht kann ein Dividendenversprechen dazu führen, dass die Substanz des Unternehmens angegriffen wird. Das ist dann der Fall, wenn die Ausschüttungsquote sehr hoch ist und Investitionen verzögert oder gar vernachlässigt werden.

Längst gibt es einen neuen Trend. Statt dass die Dividendenpolitik anhand des Gewinns formuliert wird, rückt der freie Cashflow in den Vordergrund. Er ist das stabilere Mass, weil er nicht so leicht zu beeinflussen ist. Der Gewinn ist eine Meinung, heisst es doch so schön, der Cashflow eine Tatsache. Im Sinn der Nachhaltigkeit der Dividenden empfiehlt es sich für Unternehmen, den Beispielen Sunrise (SRCG 72.15 -0.14%), Givaudan (GIVN 1923 1.53%) oder auch VAT zu folgen. Sie haben ihre Dividendenpolitik an den Cashflow gebunden.