Märkte / Derivate

Eine riskante Wette auf ruhige Märkte

Auch Privatanleger können Volatilität verkaufen. Die jüngst lukrative Strategie ist aber riskant.

Auf der Suche nach Rendite werden Investoren immer erfinderischer. Eine populäre Strategie ist es, Volatilität zu verkaufen. Bond-Guru Bill Gross motzt damit die Rendite seiner Fonds auf, und bei US-Anlegern sind dazu angefertigte Produkte hoch im Kurs. Doch was genau bedeutet es, Volatilität zu «shorten»?

Im Prinzip macht der Short-Volatility-Investor das Gleiche wie eine Versicherung. Er kassiert regelmässig die Prämie, muss aber gerade stehen, wenn der Schaden eintritt. Es ist eine Wette auf ruhige Märkte. Solange die Volatilität gleich bleibt oder sinkt, resultieren Gewinne. Wenn sie zunimmt, kann der Verlust gross sein.
In den vergangenen Jahren hat sich die Strategie ausbezahlt. Denn die Interventionen der Notenbanken haben Aktien- und Anleihenmärkte quasi eingeschläfert. Die Schwankungen haben nachgelassen. Der letzte Tagesverlust von mehr als 3% im US-Börsenbarometer S&P 500 ist mehr als zehn Monate her. Der Vix Index, der die erwartete Schwankungsbreite aus den Optionen auf den S&P 500 misst, hat diesen Sommer mit weniger als 9% ein Rekordtief erreicht. Auch der Volatilitätsindex Merrill Lynch Option Volatility Estimate (MOVE), der die implizite Schwankungsbreite am US-Bondmarkt beziffert, notiert nahe am Allzeittief. Während der Finanzkrise 2008 waren beide Nervositätsbarometer um ein Vielfaches höher.

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