Ein Kursgewinn von 1384% vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Dezember 2017. Ein Plus von 28 000% innerhalb von fünf Jahren. Ein Verlust von 44% seit Jahresanfang. Was ist das? Bitcoin natürlich, was denn sonst. Das Konstrukt wird sich schon deshalb nicht durchsetzen, weil es eine der Ursachen wäre für eine Depression, wie es die Golddeckung in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts war.

Mit der katastrophalen Wirkung, die aus einem monetären Kleid erwachsen kann, welches so unelastisch ist wie eine Ritterrüstung aus dem Mittelalter, befasst sich Professor Barry Eichengreen in seinem hervorragenden Buch «Hall of Mirrors».

Die Golddeckung wirkte damals wie die beschränkte Schöpfungskapazität in Bitcoin, wenn die zum vornherein begrenzte Anzahl Schöpfer ihren «Schöpfungsakt» vollzogen haben werden.

Die Idee, dass diese Schutz vor Enteignung durch Inflation biete, stand wohl am Anfang der Handelshistorie von Bitcoin. Irgendwann entwickelte sich eine positive Rückkoppelung, wie sie in spekulativen Blasen üblich ist.

Ein Déjà-vu

Hat die Welt schon jemals etwas Ähnliches gesehen, was sich im Wechselkurs des Bitcoins gegen den Dollar eingestellt hat? Ja, hat sie. Solche Ereignisse sind als Mississippi-Blase, South-Sea-Blase oder Tulipomania in die Geschichte eingegangen.

Ihnen gemeinsam war die spekulative Blase, hinter welcher eine substanzlose Annahme stand. Sie werden unter anderem in «Extraordinary Popular Delusions and the Madness of Crowds» von Charles Mackay abgehandelt.

Der Oxford-Professor Norman Stone schrieb im Vorwort zur 1995 erschienenen Auflage, das Buch stelle ein Aide-Mémoire dar in einer sich stets fortsetzenden Geschichte der Torheit der menschlichen Spezies und der von ihr geschaffenen und bevölkerten Institutionen.

Sollte es zu einer nächsten Ausgabe von «Extraordinary Popular Delusions» kommen, werden Bitcoin und andere Kryptowährungen nicht fehlen dürfen. Der Begriff «Delusion» ist treffend.

Er steht für (Selbst)täuschung, Verblendung, Wahn, Irrglauben, Trug, Wahnvorstellungen. Sich Bitcoin – oder irgendein anderes Kryptoding – als Währung vorzustellen, ist genau das: Eine «Delusion».

Notenbanken kein Fluch

Sie stammt aus der Fehlinterpretation, dass die Monopolisierung des Geldwesens ein Fluch sei. Sie ist weder Fluch noch Segen, sondern, in Abwandlung eines Diktums von Winston Churchill zur Demokratie, die schlechteste aller Welten ausser alle anderen. Bitcoin ist  so wenig eine Währung wie Gold (Gold 1269.4 0.17%), mit dem Unterschied, dass Gold wegen seiner physikalischen Eigenschaften geschätzt wird.

Hinter Bitcoin steckt nichts dergleichen. Kryptowährungen sind das Produkt einer Zeit, die sich Fantasien hingibt, dass es eine bessere Welt geben würde ohne Zentralbanken.

Die Geschichte lehrt das Gegenteil. Obwohl Friedrich von Hayek selbst die Funktion von Zentralbanken in Frage stellte, waren sie ursprünglich das Produkt einer spontanen Ordnung nach seinem Gusto, die aus Versuch und Irrtum erwächst.

So war es mit der Entstehung der Bank of England, der US-Zentralbank, der Banque de France und anderer. In der komplex gewordenen Welt würden Währungen ohne Zentralbanken im Rücken noch weniger reüssieren als in der einfacheren Welt vor hundertfünfzig und mehr Jahren.

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