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Einkaufsmanagerindex im Juni rückläufig

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie und auch derjenige für den Dienstleistungssektor in der Schweiz gingen leicht zurück.

(AWP) Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft sind nach wir solide, die Dynamik hat sich aber weiter leicht abgeschwächt. Sowohl der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie als auch derjenige für den Dienstleistungssektor sind leicht gesunken.

Im Fokus stehen unverändert die steigenden Preise. Derweil hat die überraschende Zinserhöhung bislang kaum Auswirkungen, teilte die Credit Suisse (CSGN 5.36 +1.98%) am Freitag mit.

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie sank im Juni 2022 um 0,9 auf 59,1 Punkte. Der PMI Dienstleistungen gab nach dem kurzen Anstieg im Mai ebenfalls wieder leicht nach und zwar um 1,2 auf 59,0 Punkte. Damit liegen beide Indizes aber weiterhin über der Wachstumsschwelle.

Ökonomen hatten mit Werten zwischen 57,0 und 59,3 Punkten (Industrie) und zwischen 58,0 und 63,0 Punkten (Dienstleistungen) gerechnet.

Der Index misst, wie optimistisch die Einkaufsmanager auf die künftige Wirtschaftsentwicklung blicken. Werte von über 50 Punkten deuten auf Wachstum hin. Die Credit Suisse berechnet den Index zusammen mit dem Branchenverband Procure.ch.

Auf dem Höhepunkt der Coronakrise war der Industrie-Index bis auf 41,2 Punkte abgesackt, jener für den Dienstleistungssektor sogar bis auf 21,4 Punkte.

Lieferketten bessern sich, Inflation bleibt bestimmend

Mit Blick auf die Lieferkettenproblematik macht sich gemäss den Experten eine gewisse Entspannung breit. Die entsprechende Subkomponente sinke seit ihrem Höhepunkt im September letzten Jahres weiter – nur noch 35% der Teilnehmer berichteten von längeren Wartezeiten. Mit Blick auf die Produktion gebe es erste Schwächeanzeichen, der Auftragsbestand bleibe aber weiterhin hoch. Dies spiegle sich in der Beschäftigung wieder – 32% der Umfrageteilnehmer bauten Personal auf.

Anders sieht es bei der Inflation aus. 70% sähen sich nach wie vor mit steigenden Einkaufspreisen konfrontiert. Beinahe jedes dritte Unternehmen melde eine Aufstockung des Lagerbestandes an Fertigprodukten, was bei anhaltend hoher Nachfrage eine rasche Auslieferung ermöglichen sollte. 42% gaben an, die Vorproduktelager aufgestockt zu haben, was das Risiko von Produktionsunterbrüchen mildern dürfte.

Die überraschende Zinserhöhung der SNB (SNBN 5'980.00 -1.64%) habe derweil noch kaum Einfluss – nur 11% der Unternehmen reduzierten ihre Investitionen, obwohl über 80% davon ausgehen, dass die Zinsen weiter steigen dürften. Erklärt werden könne dies damit, dass die Zinskosten nur einen Bruchteil der Gesamtkosten ausmache.

Dienstleistungssektor mit etwas geringerem Schwung

Auch im Dienstleistungssektor habe der Schwung etwas nachgelassen, der Wert deute aber nach wie vor auf eine verbreitete Erholung im mehr auf den Binnenkonsum ausgerichteten Sektor hin, so die CS. Dank der guten Arbeitsmarktlage sei zudem mit einem Fortschreiten der Erholung in naher Zukunft zu rechnen.

Hier sei auch ermutigend, dass die Subkomponente «Beschäftigung» den sechsten Monat in Folge über der Wachstumsschwelle notiere. An einen Stellenabbau denke praktisch kein teilnehmendes Unternehmen mehr.

Wie auch in der Industrie komme Gegenwind insbesondere von den auf breiter Front steigenden Einkaufspreisen. Mittlerweile hätten 41% der Unternehmen ihrerseits die Preise erhöht, die aber vergleichsweise geringer steigenden Verkaufspreise deuteten auf eine eingeschränkte Preissetzungsmacht im Inland hin.

 


KMU-Einkaufsmanagerindex sinkt im Juni deutlich


Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Schweiz verspüren vermehrt Gegenwind. Die hohen Beschaffungskosten sorgen seit längerem für Margendruck, nun belastet die massive Inflation im Ausland auch das Neugeschäft.

Der Raiffeisen KMU PMI sank im Juni entsprechend deutlich auf 52,3 von 59,1 Punkten im Mai. Dies sei der tiefste Stand seit der Omikron-Welle im Januar, hiess es in einer Mitteilung von Raiffeisen Schweiz vom Freitag. Damit reihe sich der Index nahtlos in die Serie der jüngsten Stimmungsindikatoren für die Eurozone ein, die ebenfalls nur noch eine moderate Konjunkturdynamik anzeigten.

Viele der Betriebe nennen gemäss Raiffeisen die galoppierenden Konsumenten- und Produzentenpreise in der Eurozone als Hauptgrund für die Abkühlung. Dies belaste die Nachfrage und damit auch das Neugeschäft der KMU. Dass die Inflation in der Schweiz deutlich geringer ausfalle, sei für die exportorientierten Unternehmen nur ein schwacher Trost.

Diese Risiken wirken sich auch negativ auf die Beschäftigung aus. Die entsprechende Subkomponente fiel mit 49,5 Punkte erstmals seit Januar wieder unter die Wachstumsschwelle. Die Lieferengpässe entspannten sich zwar etwas, der Subindex zu den Lieferfristen notiere aber auf einem erhöhten Niveau. Das sei aktuell nicht ein Anzeichen für eine höhere Kapazitätsauslastung, sondern vielmehr ein Ausdruck der anhaltenden Lieferprobleme.

Ein Ende der Konjunktuabkühlung sei derzeit nicht absehbar und auch bei der Inflation in der Eurozone sei keine baldige Beruhigung in Sicht. Damit steige die Wahrscheinlichkeit für schnelle Zinserhöhungen durch die EZB und das berge wiederum konjunkturelle Risiken.

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