Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Einmal in einem Rolls-Royce fahren

Edelkarossen gibt es viele – wer zählt die Marken, nennt die Namen –, jedoch: Der wahre Aristokrat unter den Autos heisst Rolls-Royce. Für das Gründerduo stimmt das zur Hälfte: Charles Rolls (1877–1910) war der Sohn eines Lords; mit dem Geld seines Vaters war er in den Handel mit schicken Schlitten aus Belgien (Minerva) und Frankreich (Panhard) eingestiegen. Rolls war der Kaufmann im Gespann, das sich 1904 zusammengefunden hatte. Frederick Royce (1863–1933), aus ärmlichen Verhältnissen stammend, war der Ingenieur. Er hatte einen leistungsschwachen französischen Zweizylinder, einen Decauville, frisiert, zum Royce 10 hp: Dieser war die technische Plattform der Marke Rolls-Royce. Deren Erfolg stellte sich zügig ein; schon in der Zwischenkriegszeit war der Rolls-Royce das Auto der Könige, zuerst der Silver Ghost, dann die Phantom-Reihe. Seit 1911 ziert die berühmte Figur Spirit of Ecstasy, Kosename Emily, den Kühler der Rolls-Royce-Modelle. Charles Rolls erlebte das nicht mehr; er starb bereits 1910, als eines der ersten Opfer eines Flugzeugabsturzes überhaupt. Rolls’ Rolle übernahm Claude Johnson, der sich selbst als den Bindestrich zwischen Rolls und Royce bezeichnete.

Im Jahr 1953, aus dem das Papier nebenan stammt, war die Welt für Rolls-Royce und überhaupt die britische Autoindustrie noch im Lot; später geriet das Unternehmen aus der Fahrspur. Heute baut Rolls-Royce Triebwerke; im Autogeschäft dagegen haben, quasi, die Deutschen den Krieg gewonnen: Die Marke Rolls-Royce gehört BMW; Bentley, einst eine Rolls-Royce-Tochter, zählt zu VW. In den Sechzigerjahren übrigens besass der schottische Fahrdienstleister Cooperative Society sage und schreibe 240 Rolls-Royce-Wagen. Sie waren zumeist, untypisch, nur minimal ausstaffiert: Die Society chauffierte in ihren Fahrzeugen Kunden entweder zur Hochzeit oder zur Beerdigung. Also in der Regel nur einmal.