Simón José Antonio de la Santísima Trinidad Bolívar Palacios Ponte y Blanco – ein Name wie ein Gedicht. Doch was hilft das post mortem, wenn Schurken damit Schindluder treiben: in der «bolivarischen» Republik Venezuela. Der Haudegen Bolívar (1783–1830), der sein halbes Leben hoch zu Ross verbrachte und Schlachten sonder Zahl schlug, trug massgeblich dazu bei, die spanischen Kolonialherren zu vertreiben – aus einem Gebiet, das heute Venezuela, Kolumbien, Panama und Ecuador umfasst, zudem Peru und das zu seinen Ehren benannte Bolivien. Er war jedoch nicht bloss ein Mann des Schwerts, sondern auch der Feder. Bolívar las die Aufklärer, besonders Montesquieu, und den amerikanischen Verfassungsvater Jefferson; er schrieb ein umfangreiches Oeuvre. Ob der gegenwärtige Machthaber in Caracas, Nicolás Maduro, reif genug ist, um Bolívar zu verstehen? «El Libertador», den Befreier, für den venezolanischen «Sozialismus des 21. Jahrhunderts» zu vereinnahmen, ist jedenfalls ziemlich dreist. Im Gegensatz zu allem anderen mangelt es in Venezuela an Bolívar-Büsten nicht. Diese hier steht direkt an der brasilianischen Grenze. Dort zieht es derzeit viele Venezolaner hin. Von «bolivarisch» haben sie genug. (Bild: Joedson Alves/EPA/Keystone)