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Elliott, Cevian und Co.: Aktivisten in sechs Grafiken

Aktivistische Investoren absorbieren viel Energie bei einem Unternehmen. In der Schweiz sind sie in diesem Jahr besonders aktiv. Die eigene Performance ist durchzogen.

Sylviane Chassot

Aktionärsaktivisten sind hierzulande derzeit besonders aktiv. Kampagnen, die im laufenden Jahr lanciert wurden, zielen zum Beispiel auf Comet (COTN 167.80 +1.33%), Implenia (IMPN 22.60 +1.07%), Sunrise (SRCG 110.10 0%) und Alpiq (ALPH 70.00 0%). Sunrise wird gleich von zwei Gesellschaften belagert. Active Ownership Capital will die geplante Übernahme von UPC bekämpfen. Axxion kritisiert die Zusammensetzung des Verwaltungsrats. Bei Alpiq hat der britische Hedge Fund Knight Vinke vor wenigen Wochen eine Kampagne gegen die geplante Dekotierung und das Herausdrängen der Publikumsaktionäre lanciert.

Global gehören diese Fonds aber in die zweite Reihe, wie eine heute veröffentlichte Studie der Investmentbank Lazard zeigt. Am meisten Kapital hat in den ersten drei Quartalen 2019 die amerikanische Elliott investiert (vgl. Grafik unten). Mit rund 35 Mrd. $ verwaltetem Vermögen ist das Vehikel von Paul Singer der mit Abstand grösste Aktivist. Im laufenden Jahr ist der Abstand besonders markant, weil Elliott im September einen 3,2-Mrd.-$-Anteil am Telecomriesen AT&T (T 29.54 +1.06%) offengelegt hat und dort auf diverse Effizienzmassnahmen drängt. In der Schweiz ist Elliott beispielsweise an der Reisedetaillistin Dufry (DUFN 55.50 +3.78%) beteiligt.

Knapp jede zweite Kampagne zielt auf eine M&A-Transaktion. Ebenfalls ein häufiges Anliegen der Investoren sind personelle Änderungen im Verwaltungsrat. Allein im laufenden Jahr haben die Aktivisten schon 98 Wechsel in Verwaltungsräten erwirkt.

Nicht alle Branchen sind gleichermassen im Fokus. Derzeit besonders im Visier sind Industrie-, Technologie- und Energiegesellschaften. In der Schweiz bestens bekannt ist Cevian mit dem Engagement bei ABB (ABBN 24.04 +0.21%). Auch bei der deutschen ThyssenKrupp (TKA 5.95 +2.83%) drängt der Fonds auf eine einfachere Struktur des Konglomerats. Zudem war Cevian treibende Kraft hinter dem Verkauf von Panalpina (PWTN 258.80 +1.09%) an die dänische DSV (DSV 991.00 +1.02%). Ein weiterer aktivistischer Investor mit Fokus auf Industrietitel ist Artisan, die unter anderem bei ABB, Temenos (TEMN 118.40 +0.25%), Idorsia (IDIA 27.18 -1.02%) und wohl auch Comet Anteile hält.

Weltweit haben Aktivisten in den vergangenen neun Monaten laut Lazard 159 Kampagnen bei 145 Unternehmen lanciert. Insgesamt bewegt sich die Branche damit im Bereich der Vorjahre. Aussagekräftig sind solche Zahlen vor allem als Zeitreihen, denn das Zählen von Kampagnen ist keine exakte Wissenschaft. So berichtet eine andere Studie von Activist Insight für die ersten drei Quartale gar von weltweit über 700 Kampagnen – also deutlich mehr als Lazard. Beiden Branchenberichten gemein ist, dass sie im laufenden Jahr eine etwas geringere Aktivität als im Rekordjahr 2018 beobachten.

Zunehmend im Fokus sind seit 2016 europäische Unternehmen. Im dritten Quartal 2019 haben Aktivisten hier zwanzig neue Kampagnen lanciert. Der langjährige Durchschnitt liegt laut Lazard bei zwölf aktivistischen Offensiven. Sieben Kampagnen gehen auf Elliott zurück, drei auf die in Grossbritannien ansässige CIAM.

Innerhalb Europas fand 2019 eine Flucht in grössere Märkte statt, schreibt Lazard. Das bekamen grosskapitalisierte Börsenplätze wie Deutschland, Frankreich, aber auch die Schweiz zu spüren. Der Trend ist nicht ganz neu, wie eine Übersicht des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt. Seit 2014 ist die Zahl der Kampagnen in der Schweiz demnach von sieben auf 26 im vergangenen Jahr gestiegen. Ein Grund für das wachsende Interesse von Cevian und Co. dürften regulatorische Änderungen in den vergangenen Jahren sein.

Der Lärm der Aktivisten wird im laufenden Jahr kaum abnehmen. Es bleibt die für Anleger entscheidende Frage nach der Entwicklung des Aktienkurses: Bringt es was? Ironischerweise ist die eigene Performance der Fonds sehr durchzogen. Zwar gibt es einige wenige Überflieger – laut einem Artikel der Harvard-Universität waren dies 2018 CIAM, Voce und Corvex –, doch die Durchschnittsperformance des Aktivistenindex HFRI lag bei blamablen –10,5%. Dem Absturz zum Jahresende konnten sich auch in der Schweiz aktive Fonds nicht entziehen; Axxion hat im vergangenen Jahr 3,4% verloren, die wegen des Engagements bei Nestlé (NESN 99.00 -0.31%) bekannte Third Point gar 15,2%.

Generell ist der Return von Aktivisten im Vergleich zu ihren Zielen deutlich volatiler. Im laufenden Jahr sieht es bis anhin nach einem Plus aus. Aktivisten von Aktivisten sind daher bis anhin (noch) keine in Sicht.