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Ems-Chemie-CEO: Planen 2021 ohne Corona

Magdalena Martullo-Blocher erwartet keinen weiteren Lockdown und sagt, wie der Spezialchemiekonzern von der Krise profitiert hat.

(AWP) Trotz weltweit steigender Infektionszahlen rechnet die Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher nicht mit einem zweiten Lockdown. «Die Staaten können sich einen solchen nicht noch einmal leisten», sagte sie am Donnerstag am Swiss Economic Forum (SEF) in Montreux.

«Ich habe meinem Bereichsleiter gesagt, wir planen das Jahr 2021 ohne Corona», sagte sie zur künftigen Entwicklung. Sie glaube nicht an eine weitere Welle. Jetzt lerne man weltweit mit dem Virus zu leben und beispielsweise in China sei gemäss ihrer Erfahrung kaum mehr etwas davon zu merken.

Natürlich werde es noch Fälle von Entlassungen und Konkursen geben. «Aber es wurde ja auch sehr viel Geld gesprochen», sagte die Managerin.

Bei Ems-Chemie (EMSN 843 -2.09%) habe man schon während der Krise wieder an die Zeit nach der Krise gedacht und beispielsweise an der Kundenbindung gearbeitet. «Sobald alles wieder aufgebaut ist, sind wir die ersten, die wieder da sind», so Martullo-Blocher.

Kunden ohne Schutzkonzepte

Sie habe die Krise aber nicht in diesem Ausmass erwartet, «vor allem nicht die Massnahmen der verschiedenen Länder», sagte sie. Die in 32 Ländern tätige Ems-Chemie habe aber schnell auf die Krise reagiert, Massnahmen beschlossen und diese je nach aktueller Nachrichtenlage neu angepasst.

«Wir haben das aber nicht nur für unsere eigenen Firmen gemacht, sondern auch für Lieferanten und Kunden», sagte Martullo-Blocher. Und rückblickend betrachtet hätte sie auch diese zur besseren Umsetzung der Schutzmassnahmen drängen sollen. Denn viele Kunden zum Beispiel aus dem Automobilsektor, der 60% zum Umsatz von Ems-Chemie beiträgt, hätten keine Schutzkonzepte gehabt, was zu langen Schliessungen geführt habe.

In Krise von Effizienzprogramm profitiert

Der Spezialchemiekonzern hat während der Coronakrise auch von einem Effizienzprogramm aus dem vergangenen Jahr profitiert. Durch die rund 400 umgesetzten Massnahmen habe das Unternehmen bereits vor der Krise seine Kosten gesenkt, sagte Martullo-Blocher: «An den Kosten kann man immer etwas schrauben.»

Als Unternehmerin habe sie sofort auf Krisenmodus geschaltet. Im schlimmsten Fall könnte das Unternehmen ohne Umsatz «ziemlich lange durchhalten, sicher ein Jahr», sagte die Chefin. Weil Ems-Chemie schuldenfrei sei, würde man sicherlich auch noch Bankkredite erhalten. «Und in der Familie haben wir auch ein bisschen Reserve auf der Seite.»

Wichtig sei es, in der Krise nicht direkt die Nerven zu verlieren. «Meine Regel für die Krise ist: Wenn es keine Sichtbarkeit gibt, sollte man keine langfristigen Entscheide treffen.» Stattdessen müsse man sich überlegen, «was gilt nach der Krise noch?».

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