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Ems-Chemie glänzt – erneut

Analyse | Die Umsatzzahlen der Gruppe übertreffen die Erwartungen, der Ausblick wird bekräftigt.

Ems-Chemie (EMSN 721.50 -2.17%) hält das Wachstumstempo hoch. Die Umsatzzahlen zum ersten Quartal liegen im oberen Bereich der breiten Schätzspanne von Analysten und übertreffen den AWP-Konsens deutlich. Obwohl erste Zahlen aus dem Chemiesektor für die Branche ein ordentliches Quartal andeuten, sticht die auf Hochleistungspolymere und Spezialchemikalien fokussierte Gruppe klar daraus hervor.

Prozentual solide zweistellige Steigerungsraten zu einem bereits ansprechenden Vorjahreswert verdienen Respekt, besonders angesichts des Umstands, dass Ems gut 60% des Umsatzes mit Kunden aus dem nach wie vor angebotslimitierten und zunehmend von Konjunktursorgen geplagten Automobilsektor erzielt.

Nur indirekte Kriegsfolgen

Die direkten Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sind eng begrenzt. Die Gesellschaft erwirtschaftete davor mit zwei kleinen Standorten für die lokale Automobilindustrie nur rund 1% des Umsatzes in Russland. In der Ukraine und in Belarus ist sie nicht präsent. Die Versorgung mit Erdgas (Gas natural 9.35 +6.20%) ist für Ems kein Problem, wie sie FuW erklärte. Seit rund zwanzig Jahren werde Gas aus Biomasse genutzt. Erdgas wird nur noch in geringen Mengen benötigt, und auch die könnten durch Öl oder Strom ersetzt werden.

Indirekt ist das Unternehmen jedoch über einen weiteren «ausgeprägten Teuerungsschub» betroffen, namentlich in chemischen Rohstoffen. Schon im vergangenen Jahr waren ihre Preise teils markant gestiegen. Inzwischen hat sich die Situation weiter zugespitzt. Ems vermag solche Mehrkosten jedoch rasch und vollumfänglich an Kunden weiterzugeben – und dabei die Marge erfahrungsgemäss ziemlich gut zu verteidigen. Ein grosser – manch ein Analyst meint, der grösste – Teil des Umsatzwachstums dürfte demnach auf die Preiskomponente entfallen.

Die Umsatzmeldung vom Mittwoch deutet aber auch höhere Volumen an: «Ems verzeichnete in den vergangenen Monaten einen erfreulichen Geschäftsverlauf und eine gute Auftragslage.» Es sei gelungen, zahlreiche innovative Neugeschäfte erfolgreich zu realisieren und in allen Regionen zu wachsen. Ganz klar, die Strategie mit Spezialitäten im Hauptbereich der Hochleistungspolymere zahlt sich aus.

Positiver Teuerungseffekt

Mehr noch: Innovative Produkte sowie Lösungen für Gewichts-, CO2- und Kosteneinsparungen – namentlich solche für Metallersatz – seien bei steigender Teuerung gar noch gefragter als sonst.

Im Ausblick für das Unternehmen selbst bleibt das Management trotz zunehmender Eintrübung der Weltkonjunktur zuversichtlich. Es rechnet mit einem weiterhin überproportionalen Wachstum zum Markt und bekräftigt den Jahresausblick mit mehr Umsatz und Betriebsgewinn (Ebit).

An der FuW-Schätzung und dem Urteil zu den Aktien ändert sich nichts. Die Valoren bleiben zumindest haltenswert. Zumindest deshalb, weil die Bewertung im Zuge der Kurskorrektur wegen der Verschlechterung des Umfelds – Knappheiten, Zinsen, Konjunktur – merklich nachgegeben hat, vor allem aber, weil die Qualitätstitel künftig vermehrt Reiz als sicherer Hafen gewinnen dürften.

 

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