Zum Thema: Die grössten Risiken für die Börsen

Ende der unkonventionellen Geldpolitik

Im November soll das dritte Anleihenkaufprogramm der US-Notenbank auslaufen. Nun werden Zweifel wach, ob die US-Wirtschaft robust genug ist, um ohne die Finanzhilfe auszukommen.

Es ist ein Entzug mit Ankündigung: Im November dreht die US-Notenbank den Finanzmärkten den Geldhahn zu. Quantitative Easing (QE 3), das dritte unkonventionelle Anleihenkaufprogramm des Fed, soll dann beendet werden. Bislang schien der Abschluss des Programms reine Formsache zu sein.

Bereits im vergangenen Dezember hatte der damalige Notenbankchef Ben Bernanke angekündigt, dass das Fed seine Unterstützung schrittweise verringern werde. Nachdem die Finanzmärkte den ersten Schock verdaut hatten, verlief die Drosselung der Wertschriftenkäufe (Tapering) reibungslos. Doch jetzt kommen Zweifel auf. Erst wenn das Stimulusprogramm ausläuft, wird sich zeigen, wie robust die US-Wirtschaft tatsächlich ist. Ist die Hausse an den amerikanischen Börsen ein Ausdruck der starken Konjunktur oder geht ihr mit dem Ende von QE 3 die Luft aus? Die Historie ist wenig ermutigend und zeigt Parallelen zu den jüngsten Turbulenzen an den US-Finanzmärkten.

Seit sechs Jahren hängen die US-Börsen mit Ausnahme von wenigen Monaten ununterbrochen am Geldtropf des Fed. Das erste Anleihenkaufprogramm QE 1 startete im November 2008. Die Intervention des Fed zeigte Wirkung: Mit der Ausweitung der Notenbankbilanz kletterte auch der S&P 500 (SP500 3123.93 0.06%). Der Aufwärtstrend endete, als die Notenbank die unkonventionellen Massnahmen im März 2010 einstellte. Für neuen Schub an den Aktienmärkten sorgte erst QE 2, das Bernanke im August 2010 ankündigte. Das Muster wiederholte sich: Der US-Leitindex legte zu, solange das Fed Liquidität in das Finanzsystem pumpte. Er knickte ein, als QE 2 im Juni 2011 endete.

Auch die Bondmärkte spiegelten das mangelnde Vertrauen der Anleger in einen nachhaltigen Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen brachen jeweils schon Monate vor dem Ende von QE 1 und QE 2 ein. Mit dem Auslaufen der Anleihenkaufprogramme schraubten die Investoren die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum zurück und schichteten ihr Vermögen von Aktien in Anleihen um.

Die Entwicklungen am Aktien- und am Bondmarkt signalisieren nun erneut: Die Anleger glauben nicht, dass die US-Wirtschaft ohne die Stimulierungsmassnahmen des Fed zurechtkommt. Der S&P 500 hat seit seinem Jahreshöchst im September 7,4% eingebüsst. Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen sinken seit Jahresanfang stetig.

James Bullard, Präsident der US-Distriktnotenbank St. Louis, erklärte in einer Rede am Donnerstag: «Wir könnten das Tapering aussetzen und abwarten, wie sich die Daten entwickeln.» Ist das bereits der Auftakt zum vierten QE-Programm?




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