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Zum Thema: Der Motorradmarkt belebt sich

Energica – Tesla der Motorräder?

Die Gegend um Modena in der Emilia-Romagna ist Hightech-Land, eine Gegend der Ingenieurs- und der Motorenbaukunst und Hort alles Schnellen auf Rädern. Ferrari (RACE 109.17 -0.77%), Lamborghini und Maserati stammen unter anderem von hier. Und die Energica Motor (EMC 3.088 1.25%) Company. Das passt: Energica baut Hightech-Motorräder, elektrische – Superbikes, die in der Beschleunigung viele Supersportwagen hinter sich lassen.

Die Gesellschaft erinnert ein wenig an Tesla – an Tesla von vor zehn Jahren: neu und unbefangen, von einer zukunftsweisenden Idee getragen, quasi auf der grünen Wiese entstanden, auf Elektroantrieb, Hightech und hohe Fahrleistungen setzend und im höheren Preissegment angesiedelt.

2009 unter dem Dach der CRP Group als Projekt gestartet und 2014 offiziell gegründet, wurde die Energica Motor Company Ende Januar 2016 an der Börse Mailand kotiert. Mehrheitsaktionär ist weiterhin die private, von der Gründerfamilie Cevolini in zweiter Generation geführte CRP Group (76%) – ein auf den Automobilrennsport und andere Hochtechnologiebereiche ausgerichteter Experte für Hightech-Bearbeitungsverfahren und 3-D-Printing. Der Streubesitz wird mit 13% angegeben.

Die Gesellschaft ist klein. Unter CEO Livia Cevolini arbeiteten Ende 2016 gut dreissig Angestellte. Die Serienproduktion begann letztes Jahr. Rund drei Dutzend Macchinas dürften ausgeliefert worden sein. Der Umsatz ist dementsprechend gering, die Erfolgszahlen sind naturgemäss rot. Im März dieses Jahres fand die erste Kapitalerhöhung statt. Weitere Finanzierungsrunden sind zu erwarten.

Der Umsatz soll gemäss Analyst Marco Greco von Valuetrack und gestützt auf Unternehmensangaben kräftig steigen: von 11 Mio. € aus rund 400 verkauften Einheiten im laufenden Jahr über 25 und 62 auf rund 109 Mio. € im Jahr 2020. Bereits 2019 soll die Gewinnschwelle erreicht werden.

Zwei Modelle sind derzeit im Angebot: das Sportbike Energica Ego und der Streetfighter Energica Eva, beide ab gut 24 000 €. Nächstes Jahr soll die EsseEsse9 lanciert werden, ein klassisches Naked Bike, 2020 soll ein viertes Modell folgen. Parallel dazu läuft die Erweiterung der Fertigung: Für 2019 und 2020 sind Ausbaustufen geplant.

Die Reichweite der aktuellen Modelle wird mit 150 km im gemischten Fahrzyklus angegeben. Mit einer Schnellladevorrichtung sollen die Batterien in einer knappen halben Stunde zu 85% geladen sein.

Der E-Motorrad-Markt kann sich im Windschatten des E-Automobil-Marktes entwickeln. Das eröffnet ihm Potenzial. Ob es für mehr als eine Nische reicht, lässt sich heute nicht sagen. Doch je besser die Ladeinfrastruktur und die Batterietechnik werden, desto reizvoller wird die Option E. So ist es kein Zufall, dass Energica im Vertrieb auch stark auf die USA und da vor allem auf das tech- und E-affine Kalifornien setzt, Heimat von Tesla und vielen Tesla-Fahrern.

Einen Bekanntheitsgrad und eine Gefolgschaft, wie Tesla sie hat, kann Energica nie erreichen. Im Motorradmarkt sind Erfolg und Ansehen längerfristig aber möglich. Normalen Anlegern ist ein Engagement wegen des hohen Risikos nicht unbedingt zu empfehlen – hier geht es um Venture Capital. Wer angesichts der Chancen dennoch eines erwägt, sollte auf Geld zum Spielen zurückgreifen können.