Märkte / Aktien

«Energie und Rohstoffe starten Aufholjagd»

Duncan Goodwin, Manager des Baring Global Resources Fund, findet im Interview mit der FuW die Anlagemöglichkeiten im Energie- und Rohstoffbereich zurzeit fantastisch.

Herr Goodwin, wie sieht Ihr Ausblick für Energie und Rohstoffe aus?
Der Fonds, den ich manage, ist ein Aktienfonds. Wir investieren in Unternehmen und nicht in Energie und Rohstoffe. Wir suchen dabei falsch gepreiste Aktien, bei denen etwa die Strategie des Unternehmens vom Markt nicht richtig oder noch nicht verstanden wird. Es geht also nicht um das Wachstum in China oder die Richtung der Rohstoffpreise. Es geht vielmehr um ineffiziente Märkte im Energie- und Rohstoffsektor.

Wie sieht denn der Ausblick für Unternehmen im Energie- und Rohstoffsektor aus?
Der Ausblick ist sehr gut. Die Lücke zwischen fairem Wert und dem Preis am Markt ist so gross wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Anlagemöglichkeiten sind deshalb zurzeit fantastisch.

Ist das so, weil die Energie- und Rohstoffpreise steigende Tendenz haben oder weil viele Unternehmen am Restrukturieren sind?
Es ist klar das Letztere. Ich schaue so optimistisch in die Zukunft, weil die vergangenen drei, vier Jahre so schlecht waren. Die Unternehmen hatten zu viel investiert und das Angebot zu stark ausgeweitet in einem Umfeld schwächelnder Nachfrage. Viele Gesellschaften waren schlecht gemanagt und haben nun eine neue Führung erhalten, die eine neue Strategie verfolgt. Das treibt meinen Optimismus an und nicht steigende Energie- und Rohstoffpreise.

Im Fonds entfallen die meisten Investitionen – rund die Hälfte – auf Aktien von Energieunternehmen. Weshalb?
Energieunternehmen sind zunächst in einer ganzen Reihe von Subsektoren aktiv: in der Exploration und der Produktion von Öl und Gas etwa, in der Erbringung von Dienstleistungen für Öl- und Gaskonzerne, im Bau von Infrastruktur, beispielsweise von Öl- und Gaspipelines, in der Raffinierung von Öl. Dann gab’s in Nordamerika mit dem horizontalen Bohren und dem Fracking einen technologischen Schub, der der Öl- und Gasindustrie neues Leben eingehaucht hat. Energie ist deshalb zurzeit über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg ein sehr attraktives Anlagethema.

Wenn man auf diese Wertschöpfungskette blickt, ist dann Ihre Auswahl von Energieunternehmen auf einen bestimmten Sektor fokussiert?
Bis vor kurzem konzentrierte sich die Auswahl auf Explorations- und Produktionsunternehmen in Nordamerika. Wir waren der Meinung, dass sich der WTI-Ölpreis besser entwickeln würde, als der Markt erwartet. Wir glaubten auch, dass der Einsatz der neuen Technologien den Öl- und Gasunternehmen eine bessere Entwicklung erlauben würde, als der Markt es voraussieht. Jetzt vertreten wir diese Ansichten nicht mehr, weil auch der Markt sehr positiv geworden ist für die Explorations- und Produktionsunternehmen. Der Ausblick für die Gesellschaften wird jetzt von ihrer Marktbewertung besser reflektiert als in der Vergangenheit. Deshalb haben wir etwas Kapital aus diesem Subsektor herausgenommen. Das Gleiche gilt für den Raffineriebereich. Er profitierte vom reichlich und günstig vorhandenen Öl, was die Gewinne und in der Folge die Aktienkurse steigen liess. Auch dieser Subsektor ist jetzt ausgereizt.

Haben Sie dafür den Anteil der Service- und der Infrastrukturtitel erhöht?
Für Infrastrukturunternehmen ja. Wir sehen da ein Potenzial für den Export von Öl und Gas. Das ist ein Langzeitthema. Für Servicegesellschaften nein. Sie haben in der Vergangenheit gut gearbeitet, und ihre Bewertungen im Markt spiegeln diese Tatsache jetzt ziemlich adäquat.

Sie haben Sie auch eine leichte Präferenz für Basismetalle, mögen aber Edelmetallgesellschaften nicht. Welche Überlegungen stecken hinter diesem Entscheid?
Auch da schauen wir, was die Gesellschaften tun. Die Basismetallunternehmen, besonders die grossen diversifizierten Minenkonzerne, kürzen die Investitionen, senken die Kosten und werden deshalb viel überschüssigen Cash generieren, von dem die Aktionäre profitieren können. Bei den Edelmetallunternehmen muss man unterscheiden zwischen den Goldförderern – wo wir fast nicht vertreten sind, weil der Goldpreis, der die Aktien dieser Unternehmen letztlich antreibt, sehr schwierig vorherzusagen ist – und den Produzenten von Palladium (Palladium 2407.85 -0.19%), Platin (Platin 880.675 0.64%) und Diamanten. In diesem Bereich stehen die Unternehmen einer Nachfrage gegenüber, die grösser ist als das Angebot. Die Wachstumsaussichten dieser Produzenten sind deshalb sehr günstig. Unsere Anlagen sind denn auch auf diese Themen konzentriert und nicht auf Goldförderer.

Wichtige Produzenten von Platin leiden aber unter Streiks in Südafrika.
Wir haben nur ein limitiertes Exposure in südafrikanischen Unternehmen. Dagegen sind wir beispielsweise in der amerikanischen Gesellschaft Stillwater Mining investiert.

Sie sind auch an Chemieunternehmen beteiligt. Weshalb haben Sie diese Titel in den Rohstofffonds aufgenommen?
Chemische Unternehmen stellen eine natürliche Verlängerung der Wertschöpfungskette bei Öl und Gas dar. So, wie Raffinerien Öl verarbeiten, verarbeiten Chemiegesellschaften Öl und Gas und machen daraus Petrochemikalien. Farbenproduzenten wiederum brauchen Mineralsande für die Herstellung ihrer Produkte. Zudem sind viele Chemieproduzenten aus Öl- und Gaskonzernen ausgegliedert worden: Arkema beispielsweise ist ein Spin-off des französischen Energiemultis Total (FP 28.15 -0.74%). Was aber für mich noch wichtiger ist: Chemische Unternehmen weisen einen anderen Geschäftszyklus als Minengesellschaften aus. Die Minenaktien haben in den vergangenen drei Jahren 35 bis 40% an Wert verloren, die Titel chemischer Unternehmen sind dagegen 10 bis 15% gestiegen.

Die zehn grössten Positionen sind fast ausschliesslich Grosskonzerne aus dem Öl- und Gasbereich sowie aus dem Minensektor. Das ist nicht sehr originell.
Das kümmert mich nicht sehr. Für die Aktienauswahl ist relevant, wo die Gewinn- und die Cashgenerierung eines Unternehmens im Verhältnis zu den Markterwartungen stehen. Viele der von Ihnen erwähnten Unternehmen haben ein neues Management, das Geld effizienter ausgibt als seine Vorgänger, das Investitionen zurückfährt und stattdessen Cash an die Aktionäre ausschüttet. Die Bewertung der meisten dieser Unternehmen leidet aber immer noch unter den Fehlern des alten Managements. In den Aktien der grossen, diversifizierten Minenkonzerne etwa sehe ich deshalb ein Aufwärtspotenzial von 30 bis 40%. Auch die Öl- und Gasmultis beginnen jetzt, Investitionen zu kürzen und Kosten zu senken. Es zeichnet sich ab, dass diese Unternehmen aggressiver werden in ihren Restrukturierungsbemühungen. Das sollte mit den niedrigen Bewertungen dieser Konzerne Schluss machen. Large Caps aus dem Öl- und Gassektor sowie aus dem Minenbereich sind deshalb zurzeit sehr interessant.

Unter den grössten Positionen im Fonds  befinden sich die Aktien von Glencore Xstrata. Was macht diesen Rohstoffkonzern so attraktiv?
Glencore (GLEN 168.4 1.54%) Xstrata hat für die anderen Rohstoffriesen die Agenda gesetzt. Das Management ist – einzigartig im Sektor – am Unternehmen beteiligt und überzeugt durch eine rigorose Kapitaleinsatzdisziplin. Glencore Xstrata hat in den vergangenen Jahren konstant eine gute Strategie verfolgt, und es sind jetzt die Konkurrenten, die aufholen, die meisten Veränderungen finden gegenwärtig in anderen Unternehmen statt. Das ist für mich als Investor interessanter. Aber Glencore Xstrata wird ihren Kurs fortsetzen, an den Valoren sollte man deshalb längerfristig festhalten.

Welche Unternehmen haben Sie seit Anfang Jahr neu in Ihren Fonds aufgenommen beziehungsweise in welchen haben Sie das Exposure erhöht?
Aufgestockt haben wir das Engagement im Holzsektor, so zum Beispiel in Weyerhaeuser. Diese Gesellschaft ist am Restrukturieren und stösst ihren Immobilienbereich ab. Der Cash, der dadurch generiert wird, soll an die Aktionäre zurückgegeben werden. Wir haben weiter im Bereich der chemischen Unternehmen zugekauft, etwa in Lanxess (LXS 48.76 -1.99%). Dieser Spezialchemikalienhersteller wird von einem neuen Management geleitet, das die verfehlte Strategie der vergangenen drei, vier Jahr korrigiert. Zudem haben wir unser Engagement in der Papierindustrie erhöht, beispielsweise in Domtar. Diese Branche hat ihre Preissetzungsmacht wiedergefunden, nachdem eine Konsolidierung stattfand.