Meinungen

Entspannt

Man hat das Gefühl, dass die Anleger nervöser werden, was den Aktienmarkt betrifft. Doch ein Blick auf den Volatilitätsindex zeigt das Gegenteil. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

Jan Schwalbe
«Steht der Vix zwischen 15 und 20, dann dürfen sich die Anleger recht sicher fühlen.»

Wer die News-Kanäle durchforstet, wird wohl zum Schluss kommen, dass der Aktienmarkt in einer ganz schwierigen Phase steckt. Gute Nachrichten gibt es nicht allzu viele, und die Sorgenliste ist lang. Das Dauerthema Inflation hat keineswegs an Schwung verloren, tagtäglich liest man von neuen Lieferengpässen, China ist nicht der erhoffte Wachstumsmotor, die Zinsen steigen, und immer häufiger ist zu lesen, dass die Gewinnerwartungen für das kommende Jahr übertrieben hoch seien.

Sie würden gerne Entwarnung haben? Zumindest teilweise kann ich das bieten. Leser dieser Zeilen wissen, dass ich dazu gerne auf den US-Volatilitäsindex Vix blicke. Der Angstbarometer genannte Gradmesser ist ein Indikator dafür, wie die Stimmung im Markt ist. Ein hoher Vix bedeutet Angst vor Kursverlusten, ein niedriger Gelassenheit. Auf dem Höhepunkt der Pandemie stand er auf 80. Im Februar fiel er zum ersten Mal wieder unter 20. Dort steht er jetzt auch, genauer gesagt auf 17. Ähnlich ist übrigens der Verlauf des Schweizer Pendants VSMI.

Im September schoss der Vix für kurze Zeit über 25, was einige Strategen nervös machte. Doch in der Zwischenzeit ist Ruhe eingekehrt. Ein Wert zwischen 15 und 20 bedeutet in der Regel grünes Licht für den breiten Markt. Fällt der Wert unter 15 bzw. als Verschärfung unter 12, dann wird die Luft für zyklische Titel etwas dünner.

Der Vix vermag die Zukunft des Marktes zwar nicht vorherzusagen und ist eine Momentaufnahme, doch auf diesem Niveau gibt einem der Wert eine gewisse Sicherheit. Ich beobachte den Index ganz genau; im Moment nicht, um meine Aktienquote zu ändern, sondern um den Zyklikeranteil in meinem Portfolio zu steuern.

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