Diese Yoga-Pose heisst Kamel. Sie stärkt die rückbeugende Flexibilität und dehnt den Brustkorb. Das öffnet zugleich, auf höherer Ebene, den Geist und weckt die Lebensfreude – so lässt es sich empfinden. Diese indischen Soldaten üben jedenfalls beflissen mit: Statt immer bloss «Liegen, laden!» zu befehlen, turnt der Drill Sergeant vor, die Truppe ahmt nach. Nur ein tiefenentspannter Wehrmann ist zum Dienst an der Waffe fähig. Schliesslich knallt’s hier oben tatsächlich ab und zu, und die Lage wird heikler. Die Grenzer bewachen die Waffenstillstandslinie von 1962, eine umstrittene Demarkation. Auf der anderen Seite steht die chinesische «Volksbefreiungsarmee», die 1950 Tibet die Freiheit nahm und mit der Indiens Armee im Himalaja zusammenstiess. Ladakh heisst diese Gegend, einst Teil des untergegangenen Fürstentums Kaschmir. Sie gehört zum tibetischen Kulturraum; das zeigen die Chörten im Hintergrund, lamaistische Kultbauten, bespannt mit bunten Gebetswimpeln, die im frostigen Wind flattern. Indien bohrt in Ladakh einen Tunnel, um die Logistik dieser abgelegenen Garnisonen aufzurüsten. Was würde der hier so verehrte Buddha wohl sagen? ­Vielleicht: Niemals in der Welt hört Hass durch Hass auf.