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Erdogan tauscht inmitten der Lirakrise Finanzminister aus

Das Amt soll künftig der stellvertretende Finanzminister Nureddin Nebati bekleiden, wie aus dem offiziellen Amtsblatt hervorgeht.

(Reuters) Inmitten einer schweren Währungskrise tauscht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erneut den Finanzminister aus. Das Amt soll nun der bisherige stellvertretende Ressortchef Nureddin Nebati bekleiden, wie aus dem offiziellen Amtsblatt hervorgeht. Amtsinhaber Lütfi Elvan hatte zuvor seinen Rücktritt eingereicht. Er hatte den Posten nur etwa ein Jahr inne. Der Abgang ist der jüngste in einer Reihe von raschen Wechseln an der Spitze von Zentralbank und Ministerien. So hat Erdogan drei Notenbankchefs binnen zweieinhalb Jahren verschlissen, was die Glaubwürdigkeit der Währungshüter erschüttert hat.

Die türkische Lira geriet nach Bekanntgabe der Entscheidung am Donnerstag erneut unter Druck und lag zuletzt bei 13,87 zum Dollar. Sie hat allein im November 27 % abgewertet und ist immer weiter auf Rekordtiefs gefallen. Experten geben daran Erdogan die Hauptschuld, auf dessen Betreiben hin die Zentralbank trotz einer Inflationsrate von fast 20 % zuletzt mehrfach die Zinsen gesenkt hatte.

«Mein Gott, mach es leicht, mach es nicht schwer», twitterte Nebati am frühen Donnerstagmorgen. «Mein Gott, gib mir die Fähigkeit, die Aufgabe des Schatz- und Finanzministers zu erfüllen, die unser Präsident für würdig befunden hat, und dem Vertrauen gerecht zu werden, das er in uns gesetzt hat.» Nebati hat erst vor wenigen Tagen den Zinskurs verteidigt. Die Türkei sei mit dieser Politik zwar in den vergangenen Jahren auf starken Widerstand gestoßen. «Dieses Mal sind wir entschlossen, sie umzusetzen», schrieb er auf Twitter (TWTR 43.99 +0.30%). Er fügte hinzu, dass es «kein Problem» sei, die Zinssätze unter den derzeitigen Marktbedingungen niedrig zu halten.

«Zinsen sind ein Übel»

Die türkische Währung Lira war tags zuvor nach umstrittenen Äusserungen Erdogans zu Zinsen und dem Eingreifen der Zentralbank auf dem Devisenmarkt auf Berg- und Talfahrt gegangen. Notenbankchef Sahap Kavcioglu signalisierte nun, nach einer noch in diesem Monat möglichen weiteren Zinssenkung erst einmal eine Pause einzulegen. Dies sagten mehrere Teilnehmer eines Investorengesprächs der Nachrichtenagentur Reuters. Kavcioglu habe angedeutet, dass die Zentralbank «für den Moment fast fertig» sei, sagte einer der Teilnehmer.

Ökonomen erwarten, dass sich die Inflation in der Türkei im kommenden Jahr auf etwa 30 % beschleunigen könnte. Das wird zum grossen Teil auf die Währungsabwertung zurückgeführt, da dadurch Importe wie Medikamente, Öl und andere Rohstoffe teurer im Ausland eingekauft werden müssen. Das schmälert die Einkünfte und Ersparnisse der Türken rapide, bringt viele Haushalte in Bedrängnis und führt sogar dazu, dass kaum noch importierte Medikamente aufgetrieben werden können.

In diesem Jahr hat die türkische Währung rund 47 % an Wert verloren. Das liegt Experten zufolge auch daran, das die Zentralbank ihren Leitzins auf aktuell 15 % gesenkt hat. Dadurch wird die Lira für Anleger unattraktiver. «Zinsen sind ein Übel, das die Reichen reicher und die Armen ärmer macht», hatte Erdogan am Mittwoch den umstrittenen Kurs verteidigt.