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Ermotti kritisiert «Strebertum» bei Bankenregulierung

Es sei höchste Zeit, von einer «vergangenheitsbezogenen Regulierung» wegzukommen, sagte der UBS-CEO beim Swiss Finance Institute.

(AWP) UBS-Chef Sergio Ermotti sieht bei der Regulierung der Bankbranche in der Schweiz ein «falsch verstandenes Strebertum». Der «Swiss Finish» werde «von einem Gütesiegel zu einer Belastung», kritisierte er an einem Vortrag.

«Einen stabilen Finanzplatz erreichen wir nicht durch Übertreibung oder Vorauseilen», sagte der UBS-CEO beim «Swiss Finance Institute» in Zürich. Zudem schauten die Regulatoren vor allem in den Rückspiegel. «Sie sehen nicht, wie ihre Zusatzanforderungen Kosten ohne entsprechenden Nutzen schaffen und das System nur komplexer machen.»

Es sei höchste Zeit, von einer «vergangenheitsbezogenen Regulierung» wegzukommen und sich auf Rahmenbedingungen zur Stärkung des Schweizer Finanzplatzes zu fokussieren. «Diese Wettbewerbsfähigkeit ist nämlich nicht in Stein gemeisselt», so Ermotti.

Keine implizite Staatsgarantie mehr

Heute sei die UBS (UBSG 11.34 0.35%) deutlich kleiner und risikoärmer als vor der Finanzkrise aufgestellt, versicherte Ermotti. Die Struktur der UBS sei entflochten und systemrelevante Funktionen in der Schweiz von der Gruppe getrennt worden.

Sollte im Fall einer globalen Krise eine Rekapitalisierung der UBS-Gruppe nicht möglich sein, würden gemäss Notfallplan die systemrelevanten Funktionen der Schweizer Tochtergesellschaft weitergeführt.

Die «Too-big-to-fail»-Problematik sei damit gelöst, gab sich Ermotti überzeugt. «Die implizite Staatsgarantie fällt so weg, auch grosse Banken könnten abgewickelt werden.»

Milliarden-Kosten

Die «regulatorische Welle» habe der Bank auch hohe Kosten für die Umsetzung gebracht. «Die UBS alleine hat in den letzten fünf Jahren rund 3,5 Mrd. Fr. investiert, um regulatorischen Anforderungen zu implementieren», sagte der CEO.

Dabei habe die Schweiz oft zu rasch gehandelt: Etwa bei der Einführung von Pflichtwandelanleihen, sogenannten CoCos, die heute nicht mehr als Kapital akzeptiert würden. Dies beschere der UBS noch heute Zusatzkosten von über 200 Mio. Fr. pro Jahr.

Viele Verantwortliche

Zwar trügen die Grossbanken die Verantwortung an der letzten Finanzkrise. Es gebe aber auch weitere Akteure, die Verantwortung trügen, sagte Ermotti: So etwa die Geldpolitik der Zentralbanken, die Ratingagenturen oder auch die Renditeerwartungen der Investoren.

«Die offizielle Schweiz hat der UBS in einer schwierigen Phase geholfen», räumte der UBS-Chef ein. Die Stabilisierung der Grossbank sei aber letztlich für beide Seiten ein Erfolg gewesen, sagte er, auch mit Verweis auf den resultierenden Gewinn für den Staat von 6 Mrd. Fr.

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