Unternehmen / Schweiz

Ermutigende Resultate einer Swissca-Umfrage

Von Nelly Hasler

Die Swissca-Fondsleitung, ein Unternehmen der Kantonalbanken, hat 1996 erstmals eine Umfrage über den Bekanntheitsgrad von Anlagefonds in der Bevölkerung durchgeführt. Die Ergebnisse fielen damals für die Branche ausgesprochen enttäuschend aus. Lediglich 26% der Befragten wussten, was ein Anlagefonds ist, und nur 11% besassen Fondsanteile. Wie wenig bekannt damals in breiten Kreisen das Instrument Anlagefonds war, geht auch aus völlig falschen Antworten hervor. So glaubten nicht weniger als 43% der Befragten, für den Erwerb von Anlagefonds sei ein Vermögen von mindestens 50 000 Fr. notwendig.

Über dem Europadurchschnitt

Vier Jahre später sehen die Ergebnisse für die Branche wesentlich ermutigender aus. Die Durchdringungsquote der Fondsanlagen ist von 11 auf 27% gestiegen. Diese Zunahme übertrifft gemäss Serge Courtet, Direktor der Swissca-Fondsleitung, Bern, «die kühnsten Erwartungen». Die Schweiz, die bisher im europäischen Vergleich das Schlusslicht bildete, hat inzwischen sogar den europäischen Durchschnitt von 25% überschritten.
Hinter den Durchschnittswerten stehen aber erstaunliche Unterschiede. So sind die Anlagefonds in der Westschweiz wesentlich weniger verbreitet als in der Deutschschweiz. Die Bemühungen, den Bekanntheitsgrad der Fonds zu steigern, haben positive Konsequenzen, indem selbst die Befragten, die keine Fondsanteile besitzen, sich in dieser Form der Kapitalanlage auskennen. Für die Fondsleitungen positiv ist das Vertrauen, das die Anleger gegenüber der Anlageform bekunden, hat sich doch die Zahl der enttäuschten Investoren seit der letzten Umfrage fast halbiert.
Trotz intensiverer Werbung sind nach wie vor deutliche Wissenslücken vorhanden. Die Banken waren überrascht, dass 74% der Kunden kein Vertrauen in die von den Banken in Form von Broschüren abgegebenen Informationen haben. Zwei Drittel der Befragten halten wenig von der Werbung, mehr als die Hälfte betrachtet diese gar als unnütz, wie das schon vor vier Jahren in der Umfrage der Fall war. Die befragten Anleger vertreten auch die Meinung, dass die Presse nichts zur Verbesserung der Transparenz beitrage. Dazu wäre allerdings zu bemerken, dass die Berichterstattung über die Anlagefonds selbst in den Tageszeitungen mit ausgebautem Wirtschaftsteil mehrheitlich noch immer ein höchst kümmerliches Dasein fristet.

Oft zu wenig professionell

Trotz der geäusserten Vorbehalte wenden sich jedoch die Investoren an ihre Bank zwecks Beratung. Dabei verhalten sich die Anleger allerdings wenig professionell, stellen sie doch selten Vergleiche zwischen verschiedenen Anbietern an. Selbst die Banken empfinden ihre Kunden als vertrauensselig, denn 20% geben zu, sie wüssten nicht genau, welche Anlagen in ihrem Portefeuille seien.
Ins gleiche Kapitel gehört die Zufriedenheit in Bezug auf die Kosten, die als angemessen betrachtet werden. Diese Aussage steht allerdings im Widerspruch zu einem andern Umfrageergebnis, wonach 35% die Kosten als zu hoch betrachten und 40% sich darüber eher schlecht informiert zeigen.

Internet noch wenig populär

Mit Spannung erwartet wurden die Umfrageergebnisse über die Benützung der elektronischen Medien für Investitionen in Anlagefonds. 46% der Befragten wollen vom Internet nichts wissen. Das Bild des Internet-Benutzers, der den besten Fonds nachspürt, indem er zwischen den Websites verschiedener Online-Broker surft, trifft vorläufig nur auf eine sehr kleine Minderheit zu. Auch hier schneidet die Deutschschweiz wesentlich besser ab als die Romandie.
Obwohl die Anlagefonds gegenüber der letzten Umfrage nun einen höheren Bekanntheitsgrad und überdies ein besseres Image aufweisen, ist die Swissca als Auftraggeberin der Auffassung, es könne noch nicht von einer echten Demokratisierung der Anlagefonds in der Schweiz gesprochen werden, auch wenn die Branche hoffe, dass sich der Anteil der Fondsbesitzer in absehbarer Zeit auf rund ein Drittel steigern lasse. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?