Markttechnik / A. Cortés

Ermutigende Signale aus Japan

Nikkei 225 (Nikkei 225 21142.96 -3.67%) und Topix sind zwei unter-schiedlich konstruierte Börsenbarometer. Der Nikkei notiert derzeit 35,9% tiefer als vor dreissig Jahren, der Topix 37,9%. In dieser Zeit gab es zwei mehrjährige Perioden, in denen die beiden – die globale Beachtung finden – deckungsgleich verliefen, und zwei, während deren sie grössere Abweichungen aufwiesen. Eine solche Periode begann im März 2009. Seither hat der Nikkei 191,7% zugelegt, der Topix nur 113,5%.

Nun brauchen wir, um die Geschichte erzählen zu können, noch zwei Indizes, die signifikanten Wandel an der japanischen Börse ankündigen: Seit März 2009 ist der Topix 100 nur 99,3% gestiegen. Der Topix 2. Sektion mit den über 1500 Konstituenten mittlerer und kleinerer Kapitalisierung schlug mit einem Zuwachs von 264,9% den Nikkei und den Topix sehr deutlich.

Markt im Wandel

Die Geschichte einer sehr heterogenen Börsenstruktur mit deutlicher Präferenz für kleine und mittelgross kapitalisierte Aktien könnte deutlicher nicht ausfallen. Sie hielt bis August dieses Jahres. Dann setzte ein Wandel ein, der mir mehr zu sein scheint als ein Strohfeuer: Der Nikkei ist seither 0,4% gestiegen, der Topix 5,4% und der Topix 100 5,1%. Der Topix 2. Sektion hat 1,6% verloren.

Damit hat sich ein Prozess durchgesetzt, der über mehrere Monate schleichend immer mehr Aktien erfasste, bis genügend Titel betroffen waren, um das Verhältnis unter den vier japanischen Messlatten zu verändern. Und zwar dermassen, dass die relative Schwäche von Nikkei und Topix als meistbeachteten Botschaftern der japanischen Börse aufgehoben wurde. Nun fällt ihre relative Stärke zum MSCI Welt auf, aber auch zu S&P 500 (SP500 2978.76 -4.42%), Stoxx 600 (SXXP 378.05 -2.93%) und SMI (SMI 9911.51 -2.88%).

Aus meiner Sicht liegt in der neusten Entwicklung der japanischen Indizes zueinander eine andere Aussage vor als die, dass wegen Unternehmensdaten eine grundsätzliche Präferenz für Aktien grosser Unternehmen vorherrscht. Dass dem nicht so ist, zeigt die Tatsache, dass unter den grösseren Indizes in den letzten zwei Monaten ausgerechnet einer, der während Monaten durch relative Schwäche auffiel, mit dem besten japanischen Börsenbarometer mitzog: der S&P 600 Small Cap.

Ich denke vielmehr, dass auf der Suche nach Anlagen aus einem Notstand heraus globale Institutionelle, unter denen die meisten Indexanleger sind, Japan wiederentdeckt haben. Das wird auch daran erkennbar, dass japanische Aktien in den MSCI-Sektoren schlecht abschnitten. Neuerdings holen sie zu europäischen und amerikanischen Titeln auf. Damit dürfte die Periode relativer Schwäche von Japans Börse zu Ende gehen. Eine Geschichte übrigens, die unverändert bleibt, auch wenn weniger prominente japanische Messlatten hinzugezählt werden.

Beobachten mit Vernetzung

Diese Art der technischen Analyse, die darin besteht, über die Vernetzung einer riesigen Menge ausschliesslich marktgenerierter Daten eine Mustervorhersage abzuleiten, die in diesem Fall darin besteht, dass der Nikkei 225 und der Topix ihre Phase relativer Schwäche zum MSCI Welt beendet haben und immer mehr gross kapitalisierte japanische Aktien Kursavancen erfahren werden, ist Spekulation im Sinne des lateinischen Begriffes speculare, der nichts anderes bedeutet als beobachten. Genau das ist die Stärke der technischen Analyse, wenn sie sich nicht auf einzelne Bilder konzentriert, sondern über die Vernetzung spekulative Zukunftsgeschichten entwickelt, die gute Aussicht haben, Fakten zu werden.