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Erneut in der Rezession – Konjunktur in Industrieländern zieht nur allmählich an – Aufschwung beginnt 2004

Nach Einschätzung des Instituts für Weltwirtschaft der Universität Kiel (IfW) bleiben die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im zweiten Halbjahr düster. Zuversicht verströmen die Kieler Ökonomen hingegen für die USA. Der Aufschwung werde sich in Amerika in der zweiten Jahreshälfte durchsetzen, verheisst das IfW in seinem vierteljährlich erscheinenden Konjunkturbericht.

Geringes Deflationsrisiko

Die deutsche Wirtschaft, stellt das Institut fest, befindet sich in der Rezession. Nach einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) im ersten Quartal um 0,2% werde die Wirtschaftsleistung im zweiten Vierteljahr 0,1% schrumpfen. Das IfW ist das erste führende Wirtschaftsforschungsinstitut des Landes, das Deutschland das Etikett der Rezession umhängt. Davon ist nach klassischer Definition dann die Rede, wenn das Sozialprodukt mindestens zwei Quartale hintereinander sinkt. Ab dem dritten Vierteljahr werde sich die Wirtschaft leicht erholen, meint das IfW, doch per saldo werde in diesem Jahr für Deutschland kaum mehr als ein Nullwachstum herausschauen.
Die Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten, begründet das Institut, sei erheblich, wenn auch nicht so ausgeprägt wie in den Tiefpunkten der Rezessionen der Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahre. Die Erwartung, dass sich die Konjunktur nach dem Ende des Irak-kriegs rasch beleben würde, habe sich nicht erfüllt. Die Auftragseingänge in der Industrie und im Baugewerbe sind im März regelrecht eingebrochen. Im Dienstleistungssektor, der fast drei Viertel zum BIP beiträgt, werde die Produktion weiter abnehmen. Anzeichen für eine baldige Trendwende seien angesichts der Schwierigkeiten im Banken- und Versicherungsgewerbe momentan nicht auszumachen.
Beruhigende Worte hat das Institut hingegen in der Debatte über die Deflationsgefahr parat. «Mit einer Deflation rechnen wir nach wie vor nicht», heisst es aus Kiel, denn die Wirkung der sinkenden Preise für Mineralölprodukte werde bald auslaufen. Für 2003 sagt es eine Inflationsrate von 1,0 und für 2004 von 0,9% voraus, da im nächsten Jahr die Kapazitätsauslastung wieder leicht steigen sollte.

Währungseinflüsse

Weltweit ist das Vertrauen von Investoren und Konsumenten in die wirtschaftliche Zukunft gesunken. Immer noch wirken die Exzesse des New-economy-Booms nach, obschon – wie das Kursrally an den Börsen belegt und die Kieler Ökonomen in ihrem Bericht ausdrücklich festhalten – die Unternehmen bereits deutliche Fortschritte auf dem Weg der Konsolidierung gemacht haben. Trotzdem halten sich die Unternehmen mit Investitionen zurück. In den USA und in Grossbritannien sind die privaten Haushalte bestrebt, ihre kräftig gesunkene Sparquote wieder zu erhöhen. Zudem beeinflussen kräftige Währungsveränderungen die Konjunkturaussichten. Eurostärke respektive Dollar- und Pfundschwäche werden, so meint das IfW, die Produktion im Euroraum auch in den kommenden Monaten dämpfen, während in den USA und in Grossbritannien die Wirtschaft Auftrieb erhalte.
In den USA soll aber mit der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung bald Schluss sein, wie überhaupt die Konjunktur in den Industrieländern im weiteren Verlauf des Jahres allmählich wieder Tritt fassen sollte. Die anregende Geldpolitik werde zunehmend Wirkung zeigen, betonen die Kieler Wirtschaftsforscher, die sich in der Vergangenheit selten grob verschätzt haben. Nachdem die Belastungen durch den Irak-konflikt abgeklungen sind, würden die real verfügbaren Einkommen durch niedrigere Energiepreise gestützt. Die Unternehmen fassten, durch Restrukturierungfortschritte ermuntert, neue Investitionspläne. In den USA werde die Nachfrage durch Steuersenkungen angeregt und Importe durch die Dollarschwäche gedämpft. Die US-Wirtschaft werde deshalb in der zweiten Jahreshälfte «recht zügig» expandieren. Für 2003 erwartet das IfW einen BIP-Anstieg in den USA von 2,4% verglichen mit nur 0,6% im Euroraum.
Im nächsten Jahr würden sich die Auftriebskräfte dann auch im Alten Kontinent verstärken. Im Euroraum rechnet das Institut 2004 mit einem BIP-Zuwachs von 2, in Japan von 1,1 und in den USA von 3,5%.

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