Meinungen

Erst ein sanfter Vorgeschmack

Die Arbeitslosenrate ist im März massiv gestiegen. Dieser Trend dürfte sich vorerst fortsetzen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Es ist und war naiv zu glauben, eine Erweiterung und Erleichterung der Kurzarbeit werde jegliche Entlassungen verhindern.»

Die Schweiz war im vergangenen Jahrzehnt eines der wenigen Industrieländer mit einem intakten Arbeitsmarkt. Nach der Finanzkrise hatte sich die Situation rasch beruhigt, und die Arbeitslosenquote bildete sich zurück. So ist es auch gelungen, die Verschuldung der Arbeitslosenversicherung, die 2010 noch 7,4 Mrd. Fr. betrug, abzubauen.

Es ist schon fast eine Ironie der Geschichte, dass die Versicherung, wie der eben publizierte Abschluss 2019 zeigt, ausgerechnet am Vorabend der Coronakrise vollständig entschuldet werden konnte. Nun geht es gleich wieder los, der erneute Schuldenaufbau hat schon begonnen.

Im Zug der Coronakrise ist der Arbeitsmarkt binnen eines Monats vollständig aus den Fugen geraten. Wie die neusten Zahlen des Staatsekretariats für Wirtschaft zeigen, ist die Arbeitslosenquote im März von 2,5 auf 2,9% hochgeschnellt. Die Kurzarbeit, für die genaue Zahlen für den März noch nicht vorliegen, hat noch nie dagewesene Werte erreicht. Derzeit dürften über 1,3 Mio. Personen von Kurzarbeit betroffen sein – rund ein Viertel der Erwerbstätigen.

Dieses Erdbeben, das sei wiederholt, geht nicht auf wirtschaftliche Verwerfungen irgendwo auf der Welt, auf den Finanzsektor oder auf skrupellose Unternehmen zurück – nein, die Krise ist vom Bundesrat ganz bewusst provoziert worden. Diese Wiederholung ist offenbar nötig, weil nicht alle Akteure dies begreifen wollen. So kritisiert der Gewerkschaftsbund Unternehmen, die Mitarbeiter entlassen müssen. Die Kritik ist in wesentlichen Teilen fern jeder Realität, normale Unternehmen nehmen nicht zum Spass Entlassungen vor – sie werden in diesem Fall von der Politik dazu genötigt.

Es ist und war naiv zu glauben, eine Erweiterung und Erleichterung der Kurzarbeit werde jegliche Entlassungen verhindern. Die Kurzarbeitsentschädigung ist ein geeignetes Instrument gegen Entlassungen, kann sie aber nie ganz verhindern – das leuchtet eigentlich jedem Bobachter ein.

Ebenso klar ist, dass sich der steigende Trend der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit fortsetzen wird, solange der Bundesrat am wirtschaftlichen Lockdown festhält. In den ersten Tagen des Monats April sind die Zahlen weiter massiv gestiegen. Die Werte für den März dürften ein eher sanfter Vorgeschmack sein auf das, was in den nächsten Wochen und Monaten noch kommen wird, wenn der Bundesrat an seiner Politik festhält.

Neben den enormen finanziellen Mitteln, die absorbiert werden, gilt es für den Bundesrat zweierlei zu bedenken: Je länger jemand während der Krise und danach in der Arbeitslosigkeit verharren muss, desto schwieriger wird die Rückkehr in den Erwerbsprozess, und je länger die Wirtschaft blockiert bleibt, desto eher werden gesamtwirtschaftlich wichtige und funktionsfähige Strukturen zerstört. Selbst wenn dies nicht irreversibel sein muss, ist der Wiederaufbau danach mit enormem Aufwand verbunden.

Der Bundesrat ist nun dringend gefordert, so rasch wie möglich den Weg zurück in die Normalität zu planen und einzuleiten. Je länger er damit zuwartet, desto grösser werden die menschlichen, pekuniären und strukturellen Schäden für den Einzelnen und die Wirtschaft – sie könnten rasch ins schier Unermessliche wachsen. Österreich macht es vor, wie der Weg zurück gehen könnte.

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