Unternehmen / Finanz

«Erst in später Phase an die Börse»

André Frei, Co-CEO des Investmentanbieters Partners Group, begründet den neuen Trend im Geschäft mit Private-Equity-Anlagen.

 

Der Investmentanbieter Partners Group selektiert für 82 Mrd. Fr. Kundengelder passende Firmenkäufe (Private Equity), Finanzierungen (Private Debt) sowie Immobilien und ­Infrastrukturanlagen. Co-CEO André Frei beantwortet schriftlich Fragen zur neusten Entwicklung bei Firmenkäufen am Privatmarkt (Buy-out Capital).

Herr Frei, in der Private-Equity-Branche sind Neuanlagen und Veräusserungen im ersten Quartal drastisch gesunken. Was steckt dahinter?
Der starke Anstieg der Volatilität an den Kapitalmärkten Ende 2018 und dieses Jahr trieb den Angebots- und Nachfragepreis für Transaktionen kurzfristig aus­einander. Das Resultat war, dass sich Entscheidungen verzögerten und weniger Transaktionen zustandekamen.

Wie sind die Kunden von Partners Group davon betroffen?
Eine quartalsweise Betrachtung der Aktivitätswerte ist nicht angebracht. Marktakteure wie wir entwickeln erworbene Unternehmen während vier bis acht Jahren. Im Markt bahnt sich eine Vielzahl von Transaktionen an. Allein unsere Investment-Teams arbeiten momentan an über 45 potenziellen Übernahmen.

Sollten Anlagekunden die Performance­erwartung anpassen, weil viele Portfoliogesellschaften länger in Fonds blockiert bleiben als anfänglich vorgesehen?
Vier bis acht Jahre Haltedauer ist typisch in der Privatmarktbranche und reicht meist, um Portfoliounternehmen durch Wertschöpfungsinitiativen, Good-Governance-Praktiken und unternehmerische Strategien weiterzubringen.

Was bedeutet es aber, wenn Anleger nun länger darauf warten müssen?
Wenn Private-Equity-Manager führende Unternehmen aus ihrem Portfolio zu früh veräussern, obwohl diese beste Zukunftsaussichten haben, muss das nicht immer im Interesse der Kunden sein. Für sehr attraktive Anlagen kann ein längerer Investmentansatz – bspw. zehn bis fünfzehn Jahre – für unsere Kunden sogar ­erwünscht sein. Dann kann die Wett­bewerbsposition von Portfoliounternehmen grundlegend an neue Marktgegebenheiten und strukturelle Trends angepasst und gestärkt werden. Mit der höheren Wertschöpfung steigt natürlich auch die Performanceerwartung von Anlegern bzw. der erhoffte Kapitalgewinn.

Wird Private Equity zunehmend von einem «Temporärbesitzer» zu einem un­befristet investierten Kontrollaktionär?
Das ist durchaus möglich. Aber nicht ­jedes Unternehmen eignet sich dafür. Meist wird weiterhin die traditionelle ­Haltedauer bis acht Jahre angestrebt. Dann werden Wertschöpfungsstrategien des traditionellen Buy-out-Vorgehens herangezogen. Längerfristige Engagements suchen wir in dominierende Unternehmen mit signifikantem Marktanteil.

Entstehen so bald ausserbörslich geführte Industriekonglomerate?
Für besonders starke Unternehmen in Private-Equity-Besitz kann der Governance-Stil der Privatmärkte vorteilhaft sein, um langfristig die Marktposition auszubauen. Wir erwarten, dass sich der Trend zu einer längeren Haltedauer verstärkt und dass das künftig einen bedeutenden Anteil der Privatmarktinvestments ausmacht. Als Konsequenz werden erfolgreiche Unternehmen länger in privater Hand bleiben und erst in einer sehr späten Phase des Wachstums an die Börse geführt.

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