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Erstaunlich optimistische Vermögensverwalter

Die Mehrheit der unabhängigen Vermögensverwalter (UVV) in der Schweiz erwartet, dass die verwalteten Vermögen wachsen werden.

Dass die Banken ihre Kundenbestände durchkämmen und unversteuerte Gelder wegweisen, trifft auch die unabhängigen Vermögensverwalter (UVV), soweit sie westeuropäische Märkte bedienen, was für viele unter ihnen zutrifft. «Von meinen fünfzig Berufskollegen verzeichnen alle einen Rückgang bei den Assets», erzählt ein UVV.

Die Erkenntnisse einer neuen (wohl nicht ganz repräsentativen) Studie lassen Experten und Beobachter denn auch etwas ratlos zurück. Die unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz blicken nämlich offenbar optimistisch in die Zukunft und betrachten die Veränderungen des regulatorischen wie auch des geschäftlichen Umfelds mehrheitlich als Chance. Dies hat eine im Auftrag der Bank Coutts zusammen mit WealthBriefing unter 109 Schweizer UVV durchgeführte Umfrage ergeben.

Mehr Vermögen

58% der Antwortenden erwarten, dass sie 2014 mehr Vermögen verwalten werden. Als potenzielle Wachstumsregionen für die nächsten zwei Jahre werden die Schweiz sowie Westeuropa genannt, gefolgt von Asien, Osteuropa sowie dem Nahen Osten. Nur 6% erwarten einen Vermögensrückgang. 36% rechnen mit stabilen Werten. Entsprechend bezeichnen über 50% der UVV das Umfeld als gut oder genügend. 40% planen, neues Personal einzustellen. Dieser Optimismus ist erstaunlich, da nur eine Minderheit der UVV in den letzten zwei Jahren Kunden dazugewonnen hat, wie Nicole Kuentz vom Verband Schweizer Vermögensverwalter anlässlich der Präsentation der Studie ausführte. Nur 5% erwarten, dass sie 2014 Kunden verlieren werden.

Zum Eindruck eines robusten Optimismus trägt bei, dass praktisch keine UVV ihr Geschäft verkaufen wollen – wenn man ihren Aussagen glaubt. Nur 1% gibt Verkaufsabsichten zu. Währenddessen bezeichneten sich 18% als potenzielle Käufer.

Interessen schlecht vertreten

Als wichtigsten Erfolgsfaktor bezeichneten die Befragten das Vertrauensverhältnis zu ihren Kunden. Auf die Frage, ob die Erosion des Bankgeheimnisses für sie ein Problem darstellen könnte, meinten 40%, dass dies eine Chance für ihr Geschäftsmodell sei. Für immerhin 36% stellen diese Entwicklungen jedoch eine neue Herausforderung dar, während 24% keine Meinung zu dieser Frage hatten. Skeptisch stehen die UVV den gestiegenen Anforderungen an die Compliance gegenüber, die vor allem von Bankenseite an die Branche herangetragen werden. Fast ein Drittel denkt, die Regeln schadeten mehr, als sie nützten. Beinahe 60% gehen davon aus, dass die operationellen Kosten steigen werden.

64% fühlen sich mit ihren Interessen allein gelassen beziehungsweise wünschen sich eine bessere Vertretung ihrer Interessen, was als klare Kritik an den Verbänden zu werten ist.