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Es braucht eine digitale Währung

Wird Bargeld abgeschafft, braucht es elektronisches Geld. Zentralbanken könnten sich ein Vorbild an Bitcoin nehmen.

Vielen ist nicht bewusst, dass für normale Bankkunden kein staatlich ausgegebenes elektronisches Geld existiert. Denn der Zahlungsverkehr läuft über Konten, die Forderungen gegenüber Banken entsprechen. Wer Zahlungen über Bankkonten oder Kreditkarten tätigt, bezahlt im Grunde mit der Übertragung von Forderung gegenüber Finanzinstituten.

Die Banken haben wiederum Einlagen bei der Notenbank. Diese Depositen entsprechen einem staatlichen, elektronisch ausgegebenen Geld. Doch der Privatkunde kann diese Form des digitalen Geldes nicht nutzen. Er kann kein Konto bei der Nationalbank eröffnen. Wer staatlich ausgegebenes Geld als Privatperson halten will, muss Banknoten horten. In der Schweiz fordert die Vollgeld-Initiative unter anderem ein elektronisches Zahlungsmittel, das von staatlicher Seite und nicht von Banken herausgegeben wird.

Um negative Zinsen einzuführen, wäre es eine «interessante Lösung», digitales Geld durch die Notenbank herauszugeben und damit Bargeld zu ersetzen, meint Andrew Haldane. Der Chefökonom der britischen Notenbank verweist in seiner Rede von Mitte September auf die technologische Entwicklung. «Die dezentrale Zahlungstechnologie von Bitcoin hat echtes Potenzial», sagt Haldane. Bei der Digitalwährung Bitcoin gibt es keine zentrale Instanz wie eine Bank, sondern die Benutzer können sich direkt Geld zusenden.

Fraglich, ob digitales Geld akzeptiert wird 

Für die Bank of England sei es nun wichtig, an digitalem, von der Zentralbank ausgegebenem Geld zu arbeiten, erklärt Haldane. Ob die Bitcoin-Technologie dieses Geld ermöglichen könnte, bleibe offen. «Es ist auch unklar, ob die Öffentlichkeit das elektronische Geld als Ersatz für Bargeld akzeptieren würde», sagt Haldane.

Ein wichtiger Vorteil von Banknoten ist, dass man anonym und sicher mit ihnen bezahlen kann. Völlige Anonymität gibt es aber mit digitalem Geld kaum. So muss man bei Bitcoin zwar nicht seinen Namen verwenden. Es gibt aber einen Code für das elektronische Portemonnaie. Auch wenn der Name nicht bekannt ist, kann nachvollzogen werden, an wen aus dem Geldbeutel eine Zahlung versendet wurde. Bei der Sicherheit gibt es auch Lücken. So gibt es im Internet digitale Einbrüche, bei denen elektronische Portemonnaies aus Computern gestohlen werden.

Elektronisches, von der Notenbank herausgegebenes Geld ist sinnvoll. Bitcoin hat gezeigt, dass die Technologie verlässlich ist. Die Notenbanken haben ein Interesse daran, selbst ihre Währung digital anzubieten. Dazu braucht es die Debatte nicht, wie Negativzinsen auf Bargeld erhoben werden können. Offizielles elektronisches Geld wird nur zögerlicher akzeptiert werden, wenn darauf Minuszinsen fällig werden könnten.

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