Meinungen

Es geht in die falsche Richtung

Eine finanzielle Unterstützung für Grosswasserkraft setzt falsche Anreize. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiterin Claudia Carl.

«Der Energiesektor droht zu einer zweiten Landwirtschaft zu werden, die Subventionsspirale dreht.»

Die Schweizer Wasserkraft steht alles andere als blendend da. Viele der Gründe liegen ausserhalb des nationalen Einflussbereichs, wie die gesunkenen Preise der im Stromsektor relevanten fossilen Rohstoffe und der CO2-Zertfikate – deren Verteuerung würde die saubere Wasserkraft begünstigen. Doch Wehklagen und Forderungen (Strombranche) und Subventionsgeschenke (Politik) bringen wenig bis nichts. Die Unterstützung weiterer Technologien der Elektrizitätsproduktion verzerrt den Markt stärker, als er bereits ist.

Der Energiesektor droht zu einer zweiten Landwirtschaft zu werden, die Subventionsspirale dreht und dreht. Ging es zunächst um «Anschubfinanzierung» für Solar- und Windenergie, zielten die Begehrlichkeiten dann auf Grosswasserkraftprojekte. Nun wird finanzielle Unterstützung auch für bestehende Wasserkraftanlagen gefordert.

Dieser Kurs ist problematisch, denn er blendet Effizienzpotenzial von rund 400 Mio. Fr. pro Jahr aus. Dass dieses Potenzial brachliegt, hat seinen Grund: Als es Stromkonzernen noch sehr gut ging, gab es keinen Anlass zu sparen. Experten sehen heute Ansatzpunkte bezüglich Kapitalkosten und Betriebskosten. Die Schweizer Industrie macht es der von der öffentlichen Hand dominierten Strombranche vor.

Ausserdem ist problematisch, dass  Staatsgelder den Status quo zementieren. Es fehlen die finanziellen Anreize, verkrustete Strukturen zu überdenken oder an Innovationen zu arbeiten. Eine wünschenswerte stärkere Privatisierung der Stromwirtschaft hat so keine Chance. Dabei könnten langfristig orientierte institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen dem kapitalintensiven Kraftwerkgeschäft viel abgewinnen.