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Blogs / The State of Swing

Es gibt keinen richtigen Aufschwung im falschen

André Kühnlenz
Die Investitionen in neues Kapital erholen sich in den USA seit Monaten. Doch noch immer liegt der aktuelle Konjunkturzyklus in seinen letzten Zügen.

Die Wirtschaftsleistung in den USA ist im zweiten Quartal um 0,6% gewachsen (nach US-Rechnung sind das 2,6% auf das Jahr hochgerechnet). Damit wuchs die amerikanische Wirtschaft also langsamer als die Spaniens oder Österreichs, wo der Zuwachs jeweils bei ausserordentlich starken 0,9% lag. Deutschland veröffentlicht erst in gut zwei Wochen eine erste Schätzung, und die Schweiz kommt noch später. Aber die Wachstumsraten, über die wir heute in allen Nachrichtenkanälen lesen können, interessieren uns hier im Taktikblog der Konjunkturanalyse ohnehin weniger.

Hier geht es um die tieferliegenden Trends, die den Konjunkturverlauf bestimmen: also wie entwickeln sich die Neuinvestitionen relativ zum Rest der Ausgaben eines Landes. Denn Neuinvestitionen oder die Nettoinvestitionen messen, was eine Volkswirtschaft für den Aufbau des Kapitalstocks (Maschinen, Anlagen, Geräte, Patente usw.) ausgibt. Besonders gut können wir immer wieder in den USA beobachten, wie die Neuinvestitionen im Aufschwung schneller wachsen als die Gesamtausgaben, besonders der Konsum.

Wachsen die Neuinvestitionen schneller, so beschleunigt sich auch die Kapitalakkumulation, die nun einmal in jeder Marktwirtschaft das Konjunkturgeschehen bestimmt. Umgekehrt muss eine sinkende Investitionsquote (die zeigt, dass die Neuinvestitionen langsamer wachsen als die Gesamtausgaben) nicht gleich bedeuten, dass ein Land sofort in die Rezession abrutscht. Genau das sehen wir in den USA – seit Ende 2015 sinkt die Investitionsquote im 12-Monats-Trend, aber von Wirtschaftskrise keine Spur:

Als im Dezember 2016 plötzlich ein kräftiger Investitionsschub einsetzte (zum Grossteil in der Energiebranche), war dem eine Erholung der Gewinne vor allem in der Auslandproduktion und im Finanzwesen vorausgegangen. Der kurzfristige Schub macht sich nun mittlerweile auch im 12-Monats-Trend der Investitionsquote bemerkbar. Im Quartalsvergleich (auf Jahressicht) steigt die Investitionsquote bereits das zweite Quartal in Folge.

Was uns zu der historischen Beobachtung führt, die wir früher gesehen haben, als wir uns mit der US-Konjunktur hier im Blog beschäftigten: Solch eine Erholung bei tendenziell sinkender Investitionsquote trat bereits zwei Mal, in den Sechziger- und den Achtzigerjahren, auf – kein richtiger Aufschwung im falschen. Kurz bevor sie zu steigen beginnt, dreht die Investitionsquote wieder in Negative und leitet somit die verzögerte Rezession ein. Allerdings wissen wir nicht, ob sich dieses Szenario nun genau so wiederholt.

Immerhin schön zu sehen, dass die Bestellungen bei den amerikanischen Kapitalgüterproduzenten (zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge) einem sehr guten Gleichlauf mit den Investitionen folgen. So können wir jedenfalls frühzeitig erkennen, ob sich das Szenario wie in den Sechziger- oder den Achtzigerjahren wiederholen wird. Die jüngsten Daten, die am Donnerstag veröffentlicht wurden, lassen dies bislang aber nicht einmal erahnen.

Die Alternative wäre, dass die Gewinne weiter wachsen (durch Grosskonzerne getrieben und vom Aufschwung in Europa beflügelt) und die USA tatsächlich wieder in einen richtigen Aufschwungmodus umschalten. Wahrscheinlicher scheint mir aber, dass sich das Jobwachstum in den nächsten Monaten so stark verlangsamt, dass sich ein Nachfrageschwund bei den Unternehmen bemerkbar macht. Und nicht zu vergessen, es können auch unvorhergesehene Ereignisse an den Finanzmärkten alle Hoffnungen zerstieben lassen.

Hinweis:
Die Beiträge in diesem Blog erscheinen in Kooperation mit dem Online-Magazin Makronom. Worum es hier eigentlich geht, habe ich im ersten Beitrag beschrieben: Konjunkturanalyse geht jeden an – oder warum wir ein Taktikblog der Konjunkturanalyse brauchen.