Meinungen

Es muss Qualität sein

Ein Börsengang ist kein Selbstläufer. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Drei Faktoren entscheiden über Erfolg oder Misserfolg: der Preis, der Preis und nochmals der Preis.»

Der Börsengang des Allschwiler Biotech-Spezialisten Polyphor verlief nicht ganz so glatt, wie das, gemessen am optimistisch angesetzten Emissionspreis, zu erwarten war. Seit Anfang Jahr haben fünf Unternehmen den Sprung an die SIX Swiss Exchange geschafft. Dazu kamen mit dem Airline-Caterer Gategroup und dem Bodenabfertiger Swissport zwei Unternehmen, die ihre Börsenpläne begraben oder verschieben mussten.

Kommt ein Unternehmen an die Börse, schauen alle, die in den Startlöchern stehen, gebannt zu. Sie wissen, dass ein Misserfolg des Vorgängers das berühmte Emissionsfenster zuschlagen könnte. Als das Börsendebüt des Frachtlogistikers Ceva Anfang Monat nur mit Ach und Krach gelang, stellte sich die Frage, ob der nächste Sprung zur Mutprobe wird.

Polyphor (POLN 33.1 -1.19%) hatte den Mut. Das IPO war klein und der Biotech-Sektor ist keine Referenz für den Gesamtmarkt. Dass der Aktienkurs nach dem ersten Handelstag nur knapp über Emissionspreis lag, darf nicht überbewertet werden. Einerseits wurden die Titel ambitiös am oberen Ende der Preisspanne ausgegeben. Andererseits ist die Investorenzielgruppe für ein Biotech-IPO eine andere als für die wartenden Kandidaten. Eines wird aber klar: Wer in den nächsten Monaten an die Börse will, muss Qualität bieten.

In Wartestellung für eine Kotierung sind OC Oerlikon (OERL 14.84 -0.13%) mit der Sparte Drive Systems, der Getränkekartonhersteller SIG und das Luxusgüterunternehmen Lalique, das nach einer Kapitalerhöhung an die SIX wechseln will.  Alle drei Unternehmen haben auf den ersten Blick durchaus das Format, an der Börse zu bestehen. Im Endeffekt entscheiden neben der Qualität jedoch drei Faktoren über Erfolg oder Misserfolg: der Preis, der Preis und nochmals der Preis.

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