Märkte / Derivate

ETF-Branche dürfte 2020 stark wachsen

Nach dem Endspurt im Dezember rechnen ETF-Experten mit einer zunehmenden Nachfrage auch in diesem Jahr.

(AWP) Die Finanzmärkte haben das Jahr 2019 mit einem fulminanten Dezember abgeschlossen. Der Branche börsennotierter Fonds bescherte dies den zweitbesten Monat in ihrer Geschichte. So flossen den sogenannten ETFs im Dezember 2019 85,5 Mrd. $ zu.

Noch besser war nur der Januar 2018, als die Branche in einem Monat mehr als 100 Mrd. $ einsammelt. Die starke Entwicklung im Dezember sei massgeblich durch das Revival von ETFs auf Aktien geprägt gewesen, hebt Andreas Zingg von Vanguard hervor.

«Konkret sind im Dezember gute 67 Mrd. $ in Aktien-ETFs geflossen und gute 24 Mrd. in ETFs auf festverzinsliche Anlagen», schlüsselt Ed Gordon von iShares die Verteilung weiter auf. Derweil hätten ETFs auf Rohstoffe Abflüsse von 6,5 Mrd. $ verzeichnet.

Während also Aktien-basierte ETFs zum Jahresende hoch im Kurs standen, waren auf das ganze Jahr betrachtet ETFs aus dem Bereich der festverzinslichen Anlagen der absolute Spitzenreiter. Die Zuflüsse in diese Anlagen erreichten einen Rekordwert. Experten sind sich einig, dass dies auch den geopolitischen Tumulten im vergangenen Jahr geschuldet war.

Festverzinsliche Anlagen auch 2020 gefragt

Zingg von Vanguard geht denn auch davon aus, dass die Nachfrage nach Obligationen-ETFs noch weiter zunehmen wird. «Immer mehr Investoren erkennen die Vorteile von Obligationen-ETFs aber auch von indexierten Fixed Income Strategien.»

Derweil rechnet Marco Strohmeier von Amundi vor allem bei ETFs auf Euro-Unternehmensanleihen mit einem erhöhten Interesse von Investorenseite. Sie dürften von der anhaltenden Unterstützung durch die EZB profitieren.

Auch Gordon vom ETF-Anbieter iShares rechnet damit, dass die Nachfrage nach ETFs auf festverzinsliche Anlagen im gerade angelaufenen Jahr weiterhin stark gefragt sein wird. Noch grösseres Wachstumspotenzial macht der Experte allerdings im Bereich der sogenannten ESG-ETFs aus, also ETFs, die auf Themen wie Nachhaltigkeit und Umwelt setzen.

Im vergangenen Jahr waren sie laut Gordon die am schnellsten wachsende ETF-Kategorie – wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. Während 2018 knapp 8 Mrd. in sogenannte ESG-ETFs flossen, waren es 2019 knapp 22 Mrd.

Sven Württemberger vom Fondsanbieter DWS geht ebenfalls davon aus, dass ESG-ETFs 2020 einen Schwerpunkt darstellen werden. Insgesamt rechnet er mit einem erneut guten Jahr für die gesamte Branche. «Sowohl bei institutionellen Investoren, wie auch im Private Banking und bei Retail-Anlegern sehen wir deutliche Bestrebungen, den ETF-Anteil im Depot weiter auszubauen», begründet er seinen Optimismus.

Branche profitiert von wachsendem Zulauf

Dass die ETF-Branche auch in diesem Jahr stark wachsen sollte, ist für Nima Pouyan von Invesco auf darauf zurückzuführen, dass Investoren mit dieser vergleichsweise jungen Anlageform immer vertrauter werden und sie entsprechend vermehrt einsetzen. «Die Anleger beginnen, ETFs für andere Portfoliobedürfnisse zu nutzen, beispielsweise zur Diversifizierung traditioneller Ertragsportfolios durch Hinzufügen höher rentierender Anlagen», beobachtete der Experte. «ETFs bieten eine effiziente Möglichkeit, sich in diesen und anderen Spezialsegmenten zu engagieren.»

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