Märkte / Makro

ETF-Branche setzt 2021 neue Bestmarken

Das vergangene Jahr war ein weiteres Rekordjahr für die kotierten Fonds.

(AWP) Das starke Börsenjahr 2021 hat auch bei den börsenkotierten Fonds (ETFs) für gute Geschäfte gesorgt. Mit Zuflüssen von 1,3 Bio. $ hat die Branche den Rekord von 2020 nochmals um 70% getoppt. Insgesamt flossen damit so viele Mittel in ETFs wie in den Jahren 2019 und 2020 zusammen.

Getrieben wurde diese Entwicklung vor allem von einer starken Nachfrage nach Aktien-ETFs, die im vergangenen Jahr knapp 983 Mrd. $ einsammelten. «Für Aktien-ETFs war 2021 ein Ausnahmejahr», sagt Ed Gordon vom ETF-Anbieter iShares im Gespräch mit AWP. «Die Investoren waren klar im ‘Risk-On’-Modus, und haben vor allem bei Aktien-ETFs zugegriffen.»

Während das Gesamtjahr 2021 also ein weiteres Rekordjahr darstellt, war der Dezember eher unspektakulär, erklärt Ramon Vogt von Vanguard. «Wer im Dezember auf grosse Überraschungen gewartet hat, wartete vergebens, denn  Omikron hat weiterhin auf die Risikobereitschaft bei Zukäufen gedrückt.» Zudem seien Zuflüsse in dieser Jahreszeit immer schwierig zu interpretieren, fügt Nima Pouyan von Invesco hinzu. «Viele Anleger positionieren ihre Portfolios taktisch für das Jahresende und viele sind in den Ferien.»

ESG bleibt unangefochtene Nummer 1

Auch bei den Favoriten gab es laut Vogt wenig Überraschung: «So sicher wie Weihnachten am 24.12. gefeiert wird, so blieb ESG eines der, wenn nicht sogar das Top-Thema: nachhaltige Anlagen waren wieder der Haupttreiber des Wachstums.» Tatsächlich waren nachhaltige Anlagen (ESG) über das gesamte Jahr gesehen das Top-Thema bei ETF-Investoren. ESG-ETFs haben laut Gordon von iShares 2021 um 62% höhere Zuflüsse verzeichnet als noch 2020. Insgesamt sammelten diese börsenkotierten Fonds 135 Milliarden US-Dollar ein. Davon entfielen 70% auf europäische Investoren, betont Gordon.

Vogt von Vanguard geht denn auch davon aus, dass «das Thema ist höchstwahrscheinlich das Thema Nummer Eins im Jahr 2022 bleiben wird». Dieser Meinung ist auch Jürgen Blumberg von GSAM. «Wir erwarten ein grosses Volumen an ETF-Konvertierungen und auch neuen ETF-Auflagen, um der Kundennachfrage in dem Bereich gerecht zu werden.» Ähnlich äussert sich dazu Gilles Boitel von der DWS: «Da viele Investoren mittlerweile Umwelt-, soziale und Governance-Kriterien in ihre Anlagestrategie aufgenommen haben und berücksichtigen, dürfte die anhaltend hohe Nachfrage zu einem wachsenden ETF-Angebot führen.»

Wichtig mit Blick auf die letzten zwei Jahre sei hierbei auch, dass Corona den bereits vor dem Ausbruch der Pandemie bestehenden Trend nochmals verstärkt habe, fügt Marco Strohmeier von Amundi hinzu. «Wichtige Treiber sollten dabei die wachsende Sensibilität für ESG, die anspruchsvolleren regulatorischen Bestimmungen und der Rückenwind durch die Milliardenschweren Hilfspakete der öffentlichen Hand sein.»

Inflation begleitet Investoren auch 2022

Während sich Mobeen Tahir von WisdomTree der Meinung anschliesst, dass ESG 2022 eines der «heissen Themen» bleiben wird, geht er zusätzlich davon aus, dass auch die Inflation im Mittelpunkt des Interesses bleiben wird.

Vor diesem Hintergrund erwartet Blumberg, dass «gerade bei ETFs auf Obligationen oder Gold das Thema Inflation eine Hauptrolle einnehmen wird und die Nachfrage nach Inflationsschutz steigt.»

Das Thema Inflation stand auch schon 2021 verstärkt im Rampenlicht, ergänzt Gordon von iShares. ETFs aus dem Festverzinslichen Bereich, die einen gewissen Inflationsschutz bieten, verbuchten im vergangenen Jahr denn auch rekordhohe Zuflüsse.

Boitel von der DWS geht davon aus, dass die erwarteten Marktbewegungen bei Anleihen dazu führen könnten, dass der ETF-Markt aufgrund seines Angebots für weitere Investorengruppen attraktiver werde.

Anleger werden laut Pouyan von Invesco aber auch versuchen festzustellen, wie sich die künftige Zentralbanken-Politik auf die Volkswirtschaften im Allgemeinen auswirken werde. «Da die Welt immer noch mit Unsicherheiten konfrontiert ist, da die Länder darum kämpfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und ihre Volkswirtschaften wieder sicher zu öffnen, weiss noch niemand, wie sich die Aufhebung der Unterstützung durch das Fed auswirken wird, die dem Wachstum während der Pandemie so starken Rückenwind verliehen hat.»

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