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ETF-Branche wächst 2018 mit gedrosseltem Tempo

Unsicherheiten an den Finanzmärkten hinterlassen bei den kotierten Fonds Spuren. Doch gerade auf den Dezember blickt die ETF-Branche zufrieden zurück.

(AWP) Während die Finanzmärkte im Dezember ganz im Zeichen von Turbulenzen standen, hat die ETF-Branche den zweitbesten Monat im Gesamtjahr verzeichnet. Nur der Januar 2018 war noch besser.

Unter dem Strich sind der Branche 2018 annähernd 515 Mrd. $ zugeflossen. Dazu steuerte der Dezember gut 67 Mrd. bei. Börsennotierte Fonds haben damit im vergangenen Jahr das zweitbeste Jahresergebnis in ihrer Geschichte erzielt. Nur 2017 war mit seinen Zuflüssen in Höhe von fast 660 Mrd. noch stärker.

Kein Automatismus

Für Nima Pouyan von Invesco stand 2018 stark unter dem Einfluss der schwachen Nachfrage nach europäischen Aktien. «Zudem war 2017 ein sehr starkes Jahr für die ETF-Branche, und es ist kein Automatismus, jedes Jahr die Rekord-Mittelzuflüsse des Vorjahres zu brechen,» führte der Head ETF Switzerland & Liechtenstein gegenüber AWP weiter aus.

Wie Sven Württemberger von der DWS ergänzte, seien die stabilen monatlichen positiven Zuflüsse in der ETF-Branche auch als ein Beleg dafür zu sehen, dass Anleger in jeder Marktphase passende ETFs finden, um ihre Risikopositionen auf- oder abzubauen.

Einig sind sich die Branchenbeobachter darin, dass 2018 geprägt war von einer verstärkten Suche nach sicheren Häfen. Dabei haben Investoren vor allem bei ETFs aus dem Bereich der Festverzinslichen zugegriffen und auf Gold-ETFs gesetzt. Dieser Trend hat sich den Marktdaten zufolge dann im Dezember nochmals verstärkt.

ETFs auf Staatsanleihen und Gold stark gefragt

Bei den Festverzinslichen waren es insbesondere ETFs auf Staatsanleihen, die einen grossen Zulauf hatten. Wie den Daten von iShares zu entnehmen ist, flossen 2018 mehr als 64 Mrd. $ in ETFs auf Staatsanleihen. Dabei sorgten die steigenden Zinsen in den USA vor allem bei den kurzen Laufzeiten für eine erhöhte Nachfrage, heben die Experten hervor.

Laut Pouyan von Invesco waren vor allem US-Treasuries und Schwellenländer-Anleihen gesucht. «Die US-Treasuries hatten zwischenzeitlich eine Rendite von über 3% und waren als sicherer Hafen sehr attraktiv verzinst.»

Starke Rotation bei Schweizer Vermögensverwaltern

Wie Württemberger von der DWS zudem beobachtete, habe man vor allem bei Schweizer Asset Managern eine Anlagenrotation zu Obligationen deutlich sehen können. «Insbesondere in technischen Modellen wurde vermehrt aus Developed Market Equity in High Grade Bonds aber auch kurzlaufende US-Staatsanleihen allokiert», so der Leiter Vertrieb Passive Investments Schweiz bei DWS. «Viele waren hier sehr erfolgreich und konnten so die hohe Volatilität auf den Aktienmärkten im Dezember ein Stück weit abdämpfen.»

Mit Blick auf Gold-ETFs erklärt Andreas Zingg von Vanguard, dass die hohen Zuflüsse aus seiner Sicht sowohl auf die höhere Risikoaversion der Investoren zurückzuführen seien. Aber auch auf die positive Entwicklung des Goldpreises habe dazu beigetragen, sagte der Head of ETF Distribution Management gegenüber AWP.

Auf Aktienseite flossen die meisten Gelder in ETFs auf US-Aktien. Hier lauten die Begründungen der Experten durch die Bank ähnlich. So waren einerseits die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft im Gesamtjahr stark. Der Handelskonflikt der USA mit den zahlreichen Partnern scheint weniger ins Gewicht zu fallen.

Aber auch Aspekte wie der Zinsvorsprung oder die Kursgewinne der US-Tech-Aktien (FAANG-Titel) hat zu Investitionen in US-ETFs geführt. Darüber hinaus habe die von US-Präsident Donald Trump erlassenen Steuervergünstigungen die Unternehmensgewinne gestützt, ergänzte Ed Gordon von iShares im Gespräch mit AWP.

Unsicherheiten lasten auf europäischen Aktien

Dem steht ein sehr schwacher Verlauf von ETFs auf europäische Aktien gegenüber. Netto haben diese ETFs im vergangenen Jahr Abflüsse von annähernd 20 Mrd. $ verzeichnet. Politische Themen wie Brexit, der italienische Staatshaushalt, aber auch die Handelsbeziehungen zu den USA hätten für eine erhöhte Unsicherheit gesorgt. Zudem zeichne sich für den Euro-Raum ein langsameres Wachstum ab.

Für Gordon sind es nicht zuletzt auch die Wirtschaftsaussichten für die Region, die ihn auch für 2019 eher vorsichtig stimmen, wie der Head iShares und Index Investing BlackRock (BLK 437.22 1.43%) Schweiz erklärte. Dagegen sei er für die Aktienmärkte in den USA und auch den Schwellenländern zuversichtlicher gestimmt. Denn bei aller Vorsicht, die derzeit an den Märkte herrsche, dürfe man nicht vergessen, dass die Wirtschaft etwa in den USA weiter wachse.

Auch für Aktien aus Schwellenländern ist er vorsichtig optimistisch. Hier dürften die mittlerweile wieder attraktiveren Bewertungen die ETF-Nachfrage stützen.

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