Märkte / Makro

Euro-Banken wenig geschützt vor Kursverlusten

Egal, was der Stresstest der EZB sagen wird: Die Banken der Eurozone halten immer noch wenig Eigenkapital, meint eine neue Studie. Auch die deutschen Institute scheinen anfällig zu sein.

Im November übernimmt die Europäische Zentralbank (EZB) die Verantwortung für die Bankenaufsicht in der Eurozone. Zuvor wurde noch einmal die Qualität der Anlagen der grössten Banken überprüft (Asset Quality Review, AQR), und die Finanzinstitute wurden einem Stresstest unterzogen, in dem der Effekt schwieriger Marktbedingungen auf die Bilanzen simuliert wird. Diese Ergebnisse sind noch nicht öffentlich bekannt, sie sollen aber im Oktober publiziert werden.

Beim letzten EU-Bankenstresstest im Jahr 2011 haben acht Banken nicht bestanden. Den Geldhäusern wurde von der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) aufgetragen, 200 Mrd. € an Gewinn zur Stärkung des Eigenkapitals zurückzulegen. Ganz gleich, was die neue Bankenüberprüfung findet, das renommierte Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hat nach eigenen Berechnungen noch Kapitallücken bei den Banken entdeckt.

Kapitallücke fast geschlossen

Das ZEW hat mit den Bilanzdaten von Ende 2012 und 2013 überprüft, ob sich die Eigenkapitallage verbessert hat. Und tatsächlich: Eine Eigenkapitalquote von 8% erreichen die meisten Banken. Insgesamt fehlen «nur» noch 660 Mio. € (bei einem oder mehreren spanischen Instituten) statt 15 Mrd. € (!) wie im Jahr 2012. Im Durchschnitt der grössten Banken beträgt die Eigenkapitalquote nun über 14%.

Anders sieht es aus, wenn der Verschuldungsgrad (Leverage Ratio) als Massstab genommen wird. Dieser Massstab wird von vielen Experten als aussagekräftiger angesehen, da die Banken dabei nicht die risikogewichteten Aktiven zu ihrem Vorteil berechnen können. Beim Verschuldungsgrad werden oft 3% als Benchmark gesetzt. Für dieses Kapitalisierungsziel fehlen noch 19 Mrd. €, grossteils bei französischen, irischen und belgischen Banken. 2012 belief sich die Kapitalisierungslücke gar noch auf 64 Mrd. €.

Kursverluste schlimmer als Haircut

Das ZEW hat drei Stresstests mit den Bilanzen durchgespielt:

1. Die Banken müssen die Hälfte aller Problemkredite (Nonperforming Loans) in ihrer Bilanz abschreiben – das würde Abschreiber in der Höhe von 455 Mrd. € nach sich ziehen. Die meisten sind aber durch Rückstellungen gedeckt. Um die 8% Eigenkapitalquote einzuhalten, müssten 12 Mrd. € an neuem Eigenkapital aufgenommen werden.

2. Im zweiten Szenario leiden die Banken unter einem Kursverlust der Anlagen in ihren Büchern von 10%. Um dann noch eine Eigenkapitalquote von 8% zu erreichen, müssten 154 Mrd. € an Kapital aufgenommen werden. Und für einen Verschuldungsgrad von 3% wären gar 167 Mrd. € notwendig. Deutsche und französische Banken hätten mit 67 Mrd. bzw. 54 Mrd. € die grössten Kapitallücken.

3. Was wäre, wenn die «sicheren» Staatsanleihen der Eurozone mit einem Haircut belegt würden, sich die Staaten also zulasten der Anleihengläubiger entschuldeten? Hier sind die Banken gut aufgestellt, meint das ZEW. Selbst wenn die Institute 40% des Werts von italienischen Staatsanleihen abschreiben müssten, könnten die meisten das Eigenkapitalziel erreichen. Die italienischen Banken müssten dann aber mit 26 Mrd. € nachkapitalisieren.

Grosse Banken halten weniger Eigenkapital

Das ZEW hat auch überprüft, ob die Banken tatsächlich mehr Eigenkapital eingesammelt haben. Entgegen dem Wunsch der EBA haben das gerade die grossen Finanzinstitute nicht getan: Sie haben ihre risikogewichteten Aktiven oder den nominalen Wert ihrer Bilanz verkleinert. Die zehn grössten Banken der Eurozone halten per Ende 2013 22,5 Mrd. € weniger Eigenkapital als 2012 – ein Abbau von 3,7%.

Die Märkte warten gespannt auf den neuen Stresstest der EZB. Falls die ZEW-Studie ein Indikator ist, sollten Anleger nicht nur südeuropäische Banken kritisch betrachten. Auch deutsche und französische Institute könnten schwach dastehen, wenn es auf den Märkten abwärtsgeht.

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