Märkte / Devisen

Der Franken schwächt sich weiter ab

Der Kursanstieg der Gemeinschaftswährung setzt sich fort. Am Dienstag notierte der Euro bereits 1.2346 Fr./€. Noch scheint die SNB keine Devisenreserven abzubauen.

Der Kursanstieg des Währungspaars ist vor allem auf den Euro zurückzuführen. Er festigt sich auf breiter Front. Zum Dollar – dieses dominierende Währungspaar macht auf den Welt-Devisenmärkten etwa die Hälfte des gesamten Handelumsatzes aus – hat er sich zu Beginn der Woche bis 1.34 $/€ aufgewertet. Allein diese Bewegung sorgt dafür, dass die Avancen auf andere Währungspaare überschwappen. Zum Pfund und zum Yen wertete sich die Währung im gleichen Masse auf. Dabei kommt im Yen ein spezifischer Abwertungsverdacht hinzu: Japans Regierung will die Konjunktur aktiv stimulieren und dazu die Landeswährung schwächen, worauf der Yen zum Dollar von sich aus in den letzten vier Wochen über 5% an Wert verloren hat.

Der Euro haussiert, weil sich das Risiko eines neuerlichen Schuldenschnitts in der Eurozone und weiterer Bankenrettungen verringert hat, argumentieren Devisenexperten.  Die Euroschuldenkrise ist zwar noch nicht überstanden. Aber die Gefahren werden inzwischen als weit weniger akut und vor allem als eindämmbar eingestuft. Die Risikoaufschläge italienischer und spanischer Staatsanleihen sind gesunken. Die Europäische Zentralbank hat die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinssenkung an ihrer monatlichen Sitzung vergangene Woche drastisch zurückgenommen.

Kapitalzuflüsse in die Schweiz sind versiegt

Credit Suisse (CSGN 6.75 +0.21%) berichtet am Dienstag, die Kapitalzuflüsse in die Schweiz seien zum Stillstand gekommen. Es seien sogar kleine Kapitalabflüsse zurück in die Eurozone zu verzeichnen. Der fundamentale Ausblick für den Franken-Euro-Wechselkurs sei daher positiv. Auf Sicht von zwölf Monaten rechnen die Analysten der Bank mit 1.24 Fr./€. Die Kollegen von der britischen Bank Barclays (BARCl 1.64 +0.66%) sagen eine Abwertung des Frankens bis 1.25 Fr./€ in einem halben Jahr voraus.

Ursina Kubli von Bank Sarasin mahnt zur Vorsicht. Die optimistische Stimmung an den Aktienmärkten treibe zwar den Euro gegenüber Dollar und Franken an. Aber schon im zweiten Quartal dürften die vorlaufenden Konjunkturindikatoren, die gegenwärtig aufwärts zeigen, ihren Zenit erreichen. Dann sei mit neuen Sorgen zu rechnen, dass das Wirtschaftswachstum in vielen Ländern nicht ausreiche, um die Haushalte wie gewünscht zu sanieren und Schulden abzubauen. Der Franken werde sich gegen 1.20 Fr./€ aufwerten. Anlegern sei geraten, die momentane Eurostärke zu nutzen und bald Gewinne mitzunehmen.

Übereinstimmend urteilen die Devisenexperten, dass sich die Schweizerische Nationalbank durch die gegenwärtige Eurohausse noch nicht aus der Reserve locken lässt. Es gebe keine Anzeichen, dass sie die Kursentwicklung ausnütze und Euroreserven verkaufe. Auch sei es zu früh für die Schweizer Währungshüter, um darüber nachzudenken, den Mindestkurs von derzeit 1.20 Fr./€ hinaufzusetzen.