Märkte / Anleihen

Euro kann sich festigenDevisen Starker Franken schlägt Loch in die Erfolgsrechnung der SNB

Jeanne Richenberger

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) weist 2010 einen Verlust von 19 Mrd. Fr. aus (vgl. Seite 5). Für den Löwenanteil ist die Frankenstärke verantwortlich: Aus dem Wertgewinn der helvetischen Valuta – primär zu den grössten gehaltenen Positionen Euro, Dollar sowie Pfund – resultierte ein Wechselkursverlust von 32,7 Mrd. Fr. Verrechnet mit Zinserträgen und weiteren Komponenten rapportiert die SNB für 2010 einen Erfolg auf Fremdwährungspositionen von –26,5 Mrd. Fr. Noch ein Jahr zuvor konnte ein Gewinnbeitrag von 2,6 Mrd. erwirtschaftet werden.

Der hohe Verlust auf Währungspositionen ist die Folge der von März 2009 bis Juni 2010 vorgenommenen Devisenmarktinterventionen. Neuen Handlungsbedarf für Wechselkurseingriffe sieht die Nationalbank nicht. Thomas Jordan, Vizepräsident der SNB, liess verlauten, dass keine Notwendigkeit bestehe, obschon der Franken sehr stark sei und die Schweizer Unternehmen vor Probleme stelle. Am Freitag notierte der Franken 1.30 Fr./€ und 0.93 Fr./$. Damit hat sich die helvetische Valuta seit Jahresbeginn zum Euro 4,1% abgewertet, zum Dollar mit 0,4% moderat aufgewertet.Das meistgehandelte Währungspaar erreichte am Freitag 1.40 $/€. Der Euro profitierte deutlich vom Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank EZB (vgl. Textkasten unten). Dahinter dürften Zinsdifferenzüberlegungen stehen: Sollte die EZB vor der US-Notenbank Fed den Leitzins anheben, würde die Gemeinschaftswährung von einem Zinsvorteil profitieren. Derzeit beträgt der Unterschied der beiden Raten 75 Basispunkte (Bp).Der Rubel ist freier: Die russische Notenbank hat das Handelsband gegenüber einem Währungskorb, der aus Euro und Dollar besteht, auf 32.45 bis 37.45 Rubel verbreitert. Zudem wurde die Interventionssumme zur Verteidigung der oberen und unteren Grenze 50 Mio. auf 600 Mio. $ reduziert. Diese Massnahme erhöht die Volatilität des Rubels und ist als Schritt in Richtung eines freien Wechselkurses zu werten. Bereits eine Woche zuvor hatte die Notenbank mit einer Leitzinserhöhung auf 8% überrascht. Sie scheint vermehrt ein Inflationsziel statt, wie bis anhin, ein Wechselkursziel zu verfolgen.Diese Woche den Leitzins (Selic) 50 Bp auf 11,75% angehoben hat Brasilien. Begründet wurde der Entschied mit dem anhaltenden Anpassungsprozess zur Normalisierung der monetären Bedingungen. Ein ausführlicher Kommentar folgt in der kommenden Woche. Der brasilianische Real festigte sich auf 1.65 Real/$.

Viele Ratinganpassungen

Fitch stuft Libyen von BBB auf BB herab und hält an Ratingwatch negativ fest. Die Agentur begründet den Schritt damit, dass das Rating Libyens nicht mehr mit der Anlagequalität (Investment Grade, Note AAA bis BBB–) vereinbar sei. Ursache sind die anhaltenden politischen Unruhen. Zusätzlich sei ein hoher Teil der im Ausland gehaltenen Aktiven, die das bisherige Rating gestützt haben, eingefroren worden. Fitch hält fest, dass die Entwicklung des Landes schwer abgeschätzt werden könne. Deshalb sei mit weiteren Herabstufungen zu rechnen. Bereits vor einer Woche hatte die Agentur Libyens Note reduziert. Ebenfalls aufgrund politischer Unruhen wird die Note Bahrains reduziert: Von A auf A– mit negativen Aussichten. Fitch erwartet eine kurzfristige Wachstumsdämpfung, was sich unvorteilhaft auf die Fiskaleinnahmen auswirken werde.

Ratingpremiere feiert Sambia: Fitch verleiht dem Binnenstaat im südlichen Afrika erstmals die Note B+ mit stabilen Aussichten. Dank Privatisierung und Liberalisierung der Strukturen des Landes habe sich die Wirtschaftsleistung in den vergangenen sieben Jahren deutlich verbessert, kommentiert die Agentur. Freuen kann sich Georgien, Fitch setzt die Aussichten von Stabil auf Positiv, die Note B+ wird bestätigt. Honoriert wird damit die kräftige Wirtschaftserholung, die Reduktion des Budget- und Handelsbilanzdefizits, der gesündere Finanzsektor sowie das geringere politische Risiko. Noch knapp in der Anlagequalität befindet sich Tunesien: Fitch hat die Note um eine Stufe reduziert und verleiht nunmehr BBB– mit negativen Aussichten. Das Rating spiegle die schwierige politische Transition, kommentiert die Agentur. Im laufenden Jahr wird mit 1 bis 2% ein deutlich tieferes Wirtschaftswachstum erwartet als im Vorjahr (5%).

Note hängt von ESM ab

S&P bestätigt Creditwatch negativ für Portugal und Griechenland. Derzeit wird Portugal mit A– , Griechenland mit BB+ beurteilt. Die künftige Bonität beider Eurozone-Mitglieder hänge vom European Stability Mechanism ESM ab. Solange dieser nicht klar ausgestaltet sei, werde keine definitive Note vergeben, argumentiert die Ratingagentur.

Im Fall von Portugal könne die Herabstufung auch von anderen Faktoren abhängig sein, u. a. von der Haushaltskonsolidierung. In beiden Fällen werde die potenzielle Reduktion jedoch nicht mehr als zwei Notches betragen.

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