Märkte / Makro

Euro-Rettungsmaschine läuft auf Hochtouren

Die Ende letzter Woche gestartete Gipfelstafette zu einer Einigung zwischen Athen und seinen Gläubigern beruhigt die Märkte. Ein Kompromiss könnte bereits heute Mittwoch erzielt werden.

Die Märkte werten den zunehmenden Dichtestress in den Verhandlungen zwischen Athen und seinen Gläubigern – Internationaler Währungsfonds (IWF), Euroländer und Europäische Zentralbank (EZB) –  als Signal für eine bevorstehende Einigung. Die sich jagenden Statements der Politiker machten den «überragenden Willen» zur Einigung deutlich, kommentiert UniCredit. Ein Ende des Tauziehens wird noch diese Woche und damit vor Ablauf des zweiten Rettungspakets Ende Juni erwartet. Werden dessen Gelder von noch rund 5 Mrd. € nicht freigegeben, ist Athen gleichzeitig zahlungsunfähig. Zahlungen an den IWF über 1,5 Mrd. € werden dann fällig. Der Fonds hat eine weitere Stundung ausgeschlossen.

Heute Mittwoch stehen die nächsten Verhandlungsrunden auf höchster Ebene an: In Brüssel treffen sich der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EZB-Chef Mario Draghi und IWF-Direktorin Christine Lagarde. Das erklärte Tsipras am Dienstagabend. Wenige Stunden später werden die Finanzminister der Eurogruppe über die Auflagen für weitere Milliardenhilfen beraten.

Die europäischen Aktienmärkte legten am Mittwoch eine Pause ein. Der Dax (DAX 11562.74 1.31%) notierte bis am Mittag 0,2% niedriger und der EuroStoxx pendelte um seinen Vortagesschluss. Die Börse in Athen verlor 1,8%.

Enttäuschungspotenzial

Der Optimismus berge Enttäuschungspotenzial, warnt UniCredit. Denn es bestehe die Gefahr, dass der Kompromiss  nur auf Monate angelegt wäre, womit die Finanzierungsprobleme bereits im Spätherbst oder Frühjahr wieder aktuell würden. Auch die Experten von Société Générale erwarten, dass der Default bzw. ein Austritt Griechenlands aus dem Euro verhindert werden kann. Doch es blieben Unsicherheiten: Da die Geldgeber Athen kaum in einem nachhaltig wirkungsvollen Umfang Schulden erlassen würden, dürfte die Frage eines dritten Rettungspakets bald wieder dringlich. Zudem müsste das griechische Volk einer eventuellen Einigung zustimmen. Der sich abzeichnende Kompromiss geriet am Dienstag im griechischen Parlament in der Tat bereits unter Beschuss (lesen Sie hier mehr).

Die Verhandlungen waren schon Ende  letzter Woche von zunehmender Frenesie gekennzeichnet. Nachdem die Eurogruppe am Donnerstag kaum auf die  Vorschläge Athens eingegangen war, wurde ein Treffen nach dem anderen angekündigt. So etwa ein Sondergipfel der Staats-und Regierungschefs am Montagabend, obwohl der reguläre Gipfel für nächsten Donnerstag längst auf der Agenda stand. Aus dem Hut gezaubert wurde zudem ein vorgelagertes, weitere Treffen der Euro-Finanzminister am Montagnachmittag.

Zwar mahnte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, der Durchbruch sei noch nicht da. Und die Chefin des IWF, Christine Lagarde, erklärte, es gebe noch viel zu tun. Dennoch: Die am Montag vom griechischen Premier Tsipras präsentierten neusten Vorschläge wurden erstmals für vielversprechend befunden. Zur Prüfung wurde ein weiterer ausserordentlicher Gipfel der Staatschefs für Donnerstag und Freitag angesagt.

EZB-Direkteinspritzung

Während der Verhandlungsmotor der Eurozone auf Hochtouren läuft, stockt die EZB seit Freitag täglich die Notliquidität ELA (Emergency Liquidity Assistance) an die unter zunehmendem Abfluss der Einlagen leidenden Banken auf. Damit bleiben sie liquide und können Auszahlungen vornehmen. Gemäss Reuters wurde die ELA am Dienstag um knapp 1 Mrd. € angehoben. In der Vorwoche hatte der EZB-Rat die Obergrenze der Liquiditätshilfe auf rund 86 Mrd. € aufgestockt. Sparer sollen allein diesen Montag 1,6 Mrd. € von ihren Konten abgehoben haben, über das Wochenende 2 Mrd. €, berichtet die «Financial Times».

Seit Jahresanfang hat der Kapitalabfluss rasant zugenommen. Gegengleich erhöhte sich der Bargeldbestand der Griechen in den vergangenen Monaten. Sie vertrauen den Banken immer weniger. Ein Bank Run ist bislang dennoch ausgeblieben. Royal Bank of Scotland geht davon aus, dass Kapitalkontrollen mit einer Einigung in dieser Woche vermieden werden könnten.

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