Märkte / Makro

Eurowirtschaft wächst so schwach wie seit 2014 nicht mehr

In der Währungsunion hat sich das Wirtschaftswachstum trotz schwungvoller Entwicklung in Frankreich deutlich abgeschwächt.

(Reuters) Auch wegen schwächelnder deutscher Autobauer ist die Wirtschaft in der Eurozone im Sommer so langsam gewachsen wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Juli und September nur noch um 0,2% zum Vorquartal zu, das Wachstum halbierte sich damit zum Frühjahr, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte.

Ökonomen hingegen hatten wie zuletzt ein Plus von 0,4% erwartet. «Die massiven Probleme der deutschen Autobauer dürften massgeblich zu dem enttäuschenden Ergebnis beitragen haben», sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Während Frankreichs Wirtschaft ihr Wachstum auf 0,4% verdoppelte, stagnierte Italien unter der neuen populistischen Regierung sogar. Ökonomen erwarten, dass auch die deutsche Konjunktur auf der Stelle trat.

«Der Konjunkturmotor kommt spürbar ins Stottern», sagte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank (VPBN 155.8 -1.89%) aus Liechtenstein. Die Handelskonflikte sorgten für Sand im Getriebe, aber auch die Zertifizierung von Fahrzeugen nach dem neuen Abgasmessverfahren WLTP habe die Produktion in der für die Eurozone so wichtigen Automobilindustrie belastet. «Namentlich gehören dazu vor allem die deutschen Fahrzeugbauer – kein Wunder also, dass vor allem auch Deutschland die konjunkturelle Expansion in der Eurozone gebremst hat», betonte Gitzel.

Ähnlich sieht es Commerzbank-Experte Christoph Weill: «Die Probleme in der Automobilindustrie mit WLTP haben insbesondere in Deutschland tiefe Bremsspuren hinterlassen.» So sei das «BIP-Wachstum im Sommer wohl zum Erliegen» gekommen. Die Daten werden am 14. November veröffentlicht. Der weltgrösste Autobauer Volkswagen (VOW 160.05 0.66%) verbuchte wegen der Kosten bei der Einführung des europäischen Abgasmessverfahrens im dritten Quartal einen Gewinnrückgang um fast ein Fünftel.

Die Probleme von Autobauern dürften nach Weills Worten auch dazu beigetragen haben, dass Italiens Wirtschaft im dritten Quartal nicht vom Fleck kam. Impulse kamen weder vom Aussenhandel noch von der Binnennachfrage: So schwach präsentierte sich die Konjunktur seit Ende 2014 nicht mehr. Die seit Juni in Rom amtierende Regierung aus rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung will das Wachstum unter anderem mit Steuersenkungen und höheren Sozialausgaben ankurbeln und nimmt dafür deutlich höhere Schulden in Kauf. Dies stösst bei der EU-Kommission auf harsche Kritik.

Positive Signal kamen aus Frankreich. Die nach Deutschland zweitgrösste Volkswirtschaft im Währungsraum profitierte von der Kauffreude der Verbraucher. Ökonomen gehen davon aus, dass der private Konsum auch wegen geplanter Steuererleichterungen bis Jahresende weiter spürbar wachsen und damit die gesamte Wirtschaft ankurbeln dürfte.