Meinungen

Europa im Abseits

Mit Arm verschwindet wieder ein Tech-Konzern aus Europa. Der Kontinent verliert den Anschluss. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Thorsten Riedl.

«Europa muss alles dran setzen, weiter ein gutes Umfeld für Innovationen und Unternehmertum zu bieten»

Geht mit Arm der letzte europäische Tech-Champion verloren? Als «Kata­strophe» bezeichnet ein Mitgründer des britischen Chip-Designers den geplanten Verkauf an den US-Konzern Nvidia (NVDA 190.32 +1.73%) (Lesen Sie hier mehr»). Das ist etwas übertrieben. Der Hidden Champion befand sich zuletzt schon in der Hand von Japanern. Zudem hat Europa noch andere Unternehmen in der Tech-Liga vorzuweisen: das deutsche Softwarehaus SAP (SAP 93.29 +0.28%) etwa, den niederländischen Chip-Ausrüster ASML (ASMLa 559.50 +1.14%) oder die hiesige Logitech (LOGN 54.96 -0.58%). Alle spielen weltweit vorne mit.

Und doch: Europa wird gerade zwischen den Tech-Grossmächten USA und China zerrieben. Die bekannten Softwarekonzerne Microsoft (MSFT 293.47 +0.53%) oder Oracle (ORCL 79.11 -0.05%) kommen aus den Staaten; ­Geräte werden an der Werkbank der IT-Industrie gefertigt, bei Foxconn in Asien etwa. Bei Internet-Gesellschaften wandelt sich das Bild: Zu US-Unternehmen wie Google oder Facebook gesellen sich allmählich chinesische, etwa Alibaba (BABA 94.20 -0.60%). Europäische und Schweizer Anbieter spielen höchstens in der Nische – das gilt sogar für einen Konzern wie SAP, fokussiert auf digitale Geschäftsprozesse.

Die Hoffnung im alten Kontinent ruht auf Zukunftsthemen. Der Begriff Industrie 4.0 beispielsweise steht für die Digitalisierung der industriellen Produktion und wurde in Deutschland geprägt. Europäische Spezialisten können in dem Feld auftrumpfen. Europa muss alles dran setzen, weiter ein gutes Umfeld für Innovationen und Unternehmertum zu bieten, besonders im Technologiesektor. Denn das Know-how ist hier ja vorhanden. Es wäre schade, wenn es einfach verloren ginge wie in der Vergangenheit. Talente müssen die Chance bekommen, hier Grosses zu Leisten.