Märkte / Makro

«Europa ist dort, wo Japan vor einem Jahr war»

Wer von der FuW-Konferenz «Opportunities 2014» Denkanstösse erwartet hatte, ist auf seine Kosten gekommen. Die Contrarians warnen vor Deflation 2014.

Die Erwartungen waren hoch, als sich am Donnerstag auf Einladung des «Finanz und Wirtschaft Forum» Spezialisten trafen, um sich zu Weltwirtschaft und Finanzmärkten auszutauschen. Experten wie Christophe Bernard von Vontobel, Jan Poser von Sarasin, Beat Wittman von Dynapartners und Daniela Steinbrink von UBS hielten Vorträge oder diskutierten in Panels. Sie zeigten sich recht optimistisch. Als die Contrarians Dylan Grice, Christopher Wood und Felix Zulauf ihr Bild für 2014 an die Wand malten, war klar, dass das Motto «Investment Allocation in Times of Uncertainty» den Nerv der Zeit getroffen hatte.

Dylan Grice, Research Director bei Edelweiss, wählte sicher das unkonventionellste Bild, um auszudrücken, was sich derzeit vor unseren Augen abspielt: Geld sei neben der Sprache das wichtigste Kommunikationsmittel.

Inflation entwertet Vertrauen

Was zunächst eher wie freies Assoziieren schien, öffnete recht bald den Blick für einen konzisen Zusammenhang: Wie Grice mithilfe des Begriffserkennungstools Google Ngram nachwies, wurde der Ausdruck «genau jetzt» seit den Siebzigerjahren zunehmend inflationär gebraucht, ebenso Leverage, Verschulden. Zeitgleich explodierte die Häufigkeit im Gebrauch von «ausgeben», während «sparen» seltener verwendet wurde. Gemäss Grice entwickelte sich zudem eine Wachstums­obsession, und sei es auf Pump. Fazit: Eine Inflationspolitik fördert die Fokussierung auf den Moment, der Verzicht von heutigem Konsum zugunsten von späterem – das Sparen – verliert an Bedeutung. «Inflation zerstört die Verbindung zwischen heute und morgen», erklärte Grice.

Seit 2009 habe in den USA die Kaufkraft von Bargeld um 10% abgenommen – unwiederbringbar. Anders als bei Aktien oder Gold erhole sich der Wert des Geldes nie mehr. Kritik übte er an der Messmethode für Inflation: Der übliche Konsumentenpreisindex berücksichtige etwa in Grossbritannien im Warenkorb Immobilien nicht – als ob der Konsument nicht auch ein Haus kaufen wolle. Zentralbanken zielten auf eine Grösse, die kaum messbar sei. Und sie hätten mit der Kreditausdehnung einen Wohlstand geschaffen, der zu grossem Teil eine Illusion sei. Die Inflation des Geldes bedeute die Deflation des Vertrauens. «Wer mit Geld spielt, spielt mit dem Vertrauen», schliesst Grice.

Euro als Fortsetzung der Lira

Keine Spur von Normalisierung sieht auch Christopher Wood von CLSA Asia-Pacific Markets. Das Fed habe sich in die eigene Falle hineinmanövriert: Wenn die Daten besser werden, verschlechtern sich die monetären Bedingungen, weil die Zinsen aus Angst vor dem Tapering steigen. Also müsse das Fed sie wieder lockern. Und würden die Daten schlechter, tue es das ohnehin. 2014 werde das Jahr sein, in dem sich der Optimismus als falsch erweisen werde. Der Markt werde plötzlich bemerken, sich in einem deflationären Umfeld zu bewegen. Und eine Korrektur wegen deflationären Drucks sei weit schlimmer als eine aus zyklischen Gründen.

Felix Zulauf von Zulauf Asset Management wies darauf hin, dass die Verschuldung in den Industriestaaten seit Jahren zunehme. Es bestehe nicht die geringste Chance, dass dies aufhöre. Die Staaten hätten keinerlei Spielraum mehr in der Fiskalpolitik, diese sei längst von den Notenbanken übernommen worden. Europa sei am selben Punkt angekommen wie ­Japan vor einem Jahr, vor der Quasi-Übernahme der Notenpresse durch die Regierung von Shinzo Abe. Wenn EZB-Präsident Mario Draghi erst einmal gezwungen sein werde, in der Geldpolitik ähnlich ­radikal vorzugehen wie seine Notenbankkollegen aus anderen Staaten, dann werde der Euro zu dem, was er eigentlich sei: der Fortführung der italienischen Lira.

 

Leser-Kommentare

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Johannes Igel 16.11.2013 - 12:55

Der Artikel ist zu einseitig. Die Analysen der Pessimisten ist ausführlicher beschrieben, als die der Optimisten.