Meinungen

Europa? ­Nein danke

Viele Anleger kehren Europa den Rücken. Das ist langfristig gesehen ein Fehler. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Anleger sollten sich durch den Kapitalabfluss aus europäischen Aktien nicht zu sehr beunruhigen lassen.»

Worauf Anleger im ­Moment setzen, wollen Sie von mir wissen? Nicht auf europäische Aktien, lautet die Antwort. Im März zogen Investoren unter dem Strich rund 11 Mrd. Fr. aus euro­päischen Aktienfonds ab – der höchste Wert seit zwanzig Jahren. Stattdessen fliesst so viel Kapital in Geldmarktfonds wie seit der Finanzkrise nicht mehr, und das, obschon es dort auch in den USA kaum Rendite zu holen gibt.

Was kann man daraus lernen? Sogenannte Fund Flows sind eine zeitnahe, aber immer eine rückblickende Betrachtung. Anleger sehen Liquidität im Moment als die wohl sicherste Anlage. Deshalb investieren sie in den Geldmarkt. Ähnlich ist die Reaktion, was europäische Aktien betrifft, zu werten. Europa ist ein ge­genwärtiges Zentrum der Coronapandemie, die Aktien haben verloren, die Aussichten sind ungewiss. Das macht Anleger nervös, und sie verkaufen.

Dass viel Kapital in den Geldmarkt fliesst, heisst auch, dass genügend Cash da ist, um in absehbarer Zeit in die Aktienmärkte zurückzukehren. Ob das Geld dann auch wirklich in europäische Aktien investiert wird, ist die offene Frage. Im Moment fliesst es erst mal verstärkt nach China.

Anleger sollten sich durch den Kapitalabfluss aus europäischen Aktien nicht zu sehr beunruhigen lassen. Es ist zwar wahrscheinlich, dass sich der Trend in den nächsten Wochen noch fortsetzt, was den Markt testen wird. Doch langfristig werden europäische Aktien wieder interessant. Europa, nein danke – das ist nur eine vor­übergehende Reaktion. Wer seinen europäischen Aktienfonds bis jetzt treu geblieben ist, der sollte seine Strategie jetzt nicht ändern.