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Europäische Börsen unbeeindruckt von Brexit-Abstimmung

Der Austrittsvertrag mit der EU ist vom britischen Parlament mit einer grossen Mehrheit abgelehnt worden. Die Börsen Europas notieren dennoch im Plus.

Sandro Rosa

Die Niederlage war absehbar, nicht aber das Ausmass: Mit historischen 432 zu 202 Stimmen hat das britische Parlament den Austrittsvertrag mit der Europäischen Union versenkt. Premierministerin Theresa May hat angekündigt, die Regierung werde sich heute einer Misstrauensabstimmung stellen.

Börsen unbeeindruckt

Die europäischen Börsen reagieren gelassen auf die Nachricht: Das Resultat war erwartet worden. So handelt der Euro Stoxx 50 (Euro Stoxx 50 3550.11 0.32%) am Mittwochmorgen leicht im Plus. Auch alle anderen wichtigen Aktienindizes auf dem Alten Kontinent tendieren leicht nach oben.

In London ist das Börsengeschehen ebenfalls ruhig. Der FTSE 100, der die grössten und liquidesten Titel des Vereinigten Königreichs abbildet, notiert rund 0,1% tiefer. Der FTSE 250, der Small-Caps-Index, avanciert indes 0,3%.

Pfund bereits wieder stärker

Auch das Pfund hat – abgesehen von einem kurzen Taucher gestern Abend – kaum reagiert. Heute tendiert es bereits wieder stärker.

Für Anatole Kaletsky vom Analysehaus GaveKal Research ist das wenig überraschend: «Das Szenario eines ungeordneten Bruchs mit Europa, das die Märkte zu Recht in Schrecken versetzt, ist nun viel weniger wahrscheinlich», schreibt er in einem Marktkommentar.

Er rechnet nun damit, dass der Brexit komplett vom Tisch ist, der Austritt in eine endlose Übergangsphase mündet oder das «Norwegen-Modell» zum Tragen kommt, das nur dem Namen nach ein Brexit sei.

All dies verringere die Unsicherheit und sei positiv für das Pfund. Im optimistischen Szenario erwartet Kaletsky einen Anstieg von 10% gegenüber dem Euro und gar 20 bis 25% zum Dollar.

Nicht alle teilen diese optimistische Einschätzung: «Die Ablehnung des Austrittsabkommens durch das britische Parlament erhöht die Unsicherheit für alle wieder deutlich», meint Hubertus Väth von Frankfurt Main Finance.

Die Märkte sind vorderhand anderer Meinung.

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